Reichskulturkammer

    Aus Lexikon Drittes Reich

    mit Gesetz vom 22. 9. 33 und den Durchführungsverordnungen vom 1. und 9. 11. 33 gegründete Körperschaft des öffentlichen Rechts. Die Reichskulturkammer umfasste alle Angehörigen der kulturellen Berufe, legte die Arbeitsbedingungen in den ihr unterstellten Gewerbe- und Industriezweigen fest und entschied über Eröffnung und Schließung von Unternehmen. Sie war in sieben Einzelkammern gegliedert: Reichsfilm-, Reichsmusik-, Reichstheater-, Reichspresse-, Reichsschrifttumskammer und Reichskammer der bildenden Künste, dazu die 1939 aufgelöste Reichsrundfunkkammer. Präsident war Goebbels, Vizepräsident jeweils ein Staatssekretär des Propagandaministeriums: bis 1937 Walther Funk, bis 1940 Karl Hanke, bis 1944 Leopold Gutterer und Mai 44-45 Werner Naumann. Bis 1938 gab es drei Geschäftsführer (Reichskulturverwalter), dann Generalsekretäre als Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung: bis April 38 Hans Schmidt-Leonhard, Oktober 34-38 Franz Moraller, Mai 35-April 38 Hans Hinkel, 1939 Erich Schmidt, 1940/41 Hans Hinkel und ab Juli 44 Hans Erich Schrade.

    Als Aufgabe der Reichskulturkammer war formuliert worden, sie habe "die deutsche Kultur in Verantwortung für Volk und Reich zu fördern, die wirtschaftlichen und sozialen Angelegenheiten der Kulturberufe zu regeln und zwischen allen Bestrebungen der ihr zugehörenden Gruppen einen Ausgleich zu bewirken". Die Reichskulturkammer war ab 12. 2. 34 korporatives Mitglied der Deutschen Arbeitsfront. Faktisch ging es um die Organisation und Überwachung des gesamten Kulturlebens der Nation; erst die Mitgliedschaft in einer der Einzelkammern schuf im Dritten Reich die Voraussetzung für jegliche kulturelle Tätigkeit. Amtliches Mitteilungsblatt der Reichskulturkammer war ab 20. 6. 34 der "Völkische Beobachter".