Reichsleiter

    Aus Lexikon Drittes Reich

    ab 1933 Bezeichnung für die Obersten Politischen Leiter der NSDAP (vorher: Referenten, Amtsleiter) mit bestimmten Aufgabenbereichen. Die Reichsleiter wurden von Hitler ernannt und bildeten die Reichsleitung, ein purer Sammelbegriff ohne Gremiums- oder gar Kollegiumscharakter. Die Reichsleitung hatte ihren Sitz im Braunen Haus in München, wobei einzelne Reichsleiter wegen zusätzlicher Regierungsaufgaben ihre Büros in Berlin führten. Aufgabe der Reichsleiter, denen kein "Hoheitsgebiet" (Ort, Kreis, Gau) zugeordnet wurde, war die Festlegung der "politischen Zielsetzung des deutschen Volkes" nach Hitlers Weisungen, die Erfüllung bestimmter Parteiaufgaben und die Sorge dafür, "dass auf allen Gebieten des Lebens eine Führung vorhanden ist, die unbeirrbar zur nationalsozialistischen Weltanschauung steht". Die Reichsleiter sollten dabei in "möglichst enger Fühlung mit dem Leben des Volkes" bleiben, was eine Aufforderung sowohl zu schlichter Volkstümlichkeit wie zum Ausbau lückenloser Überwachungsmechanismen war. Reichsleiter waren 1940 u. a.: der Chef der Kanzlei des Führers (Bouhler), der Stellvertreter des Führers (Heß) und sein Stabsleiter (Bormann), der Reichsorganisationsleiter (Ley), der Reichsschatzmeister (Schwarz), der Reichspropagandaleiter (Goebbels), der Oberste Parteirichter (Buch), der Reichspressechef (Dietrich), der Reichsleiter für die Presse (Amann) sowie die Chefs des Reichsamts für Agrarpolitik (Darré), des Reichsrechtsamts (H. Frank), des Außenpolitischen Amts (Rosenberg), des Kolonialpolitischen Amts (Epp) und der Reichstagsfraktion (Frick).