Reichsnährstand

    Aus Lexikon Drittes Reich

    am 19. 3. 33 durch Gesetz gegründete Monopolorganisation, in der alle Personen und Betriebe der landwirtschaftlichen Erzeugung, Be- und Verarbeitung und der Handel mit Agrarprodukten zusammengefasst waren (Zwangsmitgliedschaft). Im Reichsnährstand gingen auch die im Zug der Gleichschaltung aufgelösten landwirtschaftlichen Interessenverbände und die öffentlich-rechtlichen Einrichtungen der Landwirtschaft (Landwirtschaftskammer) auf. Er war die Trägerorganisation für die gesamte nationalsozialistische Agrarpolitik.


    An der Spitze des Reichsnährstands stand Reichsbauernführer und Landwirtschaftsminister Darré, dem ein eigener administrativer Apparat beigeordnet war. Darunter rangierten, streng hierarchisch gegliedert, Landes-, Kreis- und Ortsbauernschaften. In horizontaler Richtung gliederte sich der Reichsnährstand auf Reichs-, Landes- und Kreisebene in drei Ressorts:

    1. Der Hauptabteilung "Der Mensch" waren die Aufgaben übertragen, denen sich bisher die freien landwirtschaftlichen Organisationen, Vereine und Verbände gewidmet hatten. Hinzu kamen nun die Eindämmung der Landflucht und die Umsetzung der Blut-und-Boden-Ideologie (u. a. Erbhofgesetz, Neubildung deutschen Bauerntums).#Die Hauptabteilung "Der Hof" bearbeitete die fachlichen und betrieblichen Angelegenheiten der Landwirtschaft, die zuvor von den Landwirtschaftskammern wahrgenommen wurden, insbesondere Leitung und Durchführung der "Erzeugungsschlacht".#Die Hauptabteilung "Der Markt" hatte die gesamte landwirtschaftliche Marktordnung zu organisieren und zu überwachen. Dazu gehörten die Regelung der Einfuhren, die Erfassung der inländischen Produktion und deren gemeinsame Verteilung; überdies die Lenkung von Produktion und Absatz in Richtung der angestrebten Autarkie durch Kontrolle der Markt- und Preisverhältnisse (u. a. Festlegung von Verarbeitungskontingenten, Lieferbedingungen, Handelsspannen).