Reichsparteitage

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Zusammenkünfte der NSDAP, die anders als bei demokratischen Parteien nicht der politischen Willensbildung, sondern der Selbstdarstellung, Parolenausgabe und Machtdemonstration dienten. Ab 1927 fanden die Reichsparteitage in Nürnberg statt, 1933-38 jährlich Anfang September eine Woche lang. Die Stadt war zum einen eine erste nationalsozialistische Hochburg und wurde zudem gewählt, weil hier die Reichstage des "ersten Reiches der Deutschen" getagt hatten, in deren Tradition die Reichsparteitage gestellt werden sollten. Die Anlagen dafür wurden von Speer im Südosten der Stadt großzügig ausgebaut: 1935 wurde die Luitpoldarena fertig, eine Kongresshalle für 60 000 Menschen war im Bau, 1936 marschierten die Formationen der Partei auf dem Zeppelinfeld auf, das mehrere hunderttausend Personen fasste, von Walltribünen mit steinernen Fahnentürmen gesäumt war und eine Haupttribüne mit gewaltiger Pfeilerhalle erhielt, Märzfeld und Stadion ergänzten die Schauplätze, zu denen eine breite Aufmarschstrasse führte. Obwohl während des Kriegs keine Reichsparteitage stattfanden, ging der Ausbau weiter. Die Rituale der Reichsparteitage waren konstant: In endlosen Kolonnen zogen SA, SS, NSKK und HJ, die einen Adolf-Hitler-Marsch nach Nürnberg veranstaltete, an Hitler vorbei, später ergänzt durch Wehrmacht-Einheiten, denen ein eigener Tag auf den Reichsparteitagen gewidmet wurde. Die Marschierer formierten sich zu unübersehbaren Menschenquadern auf dem Reichsparteitagsgelände, wo Hitler als Höhepunkt seine programmatischen Reden hielt, zu denen das Diplomatische Korps und ausländische Ehrengäste geladen wurden. Fahnen wurden geweiht, Sportvorführungen gezeigt, Treuegelöbnisse und Totenehrungen zelebriert, ein blutrotes Fahnenmeer umwogte die Massen, ein Ring von Flakscheinwerfern überwölbte die abendlichen Appelle mit einem "Lichtdom". Diese ganz auf propagandistische Wirkung berechneten Inszenierungen sollten Hitler als den unangefochtenen Volksführer zeigen und das Gemeinschaftsgefühl stärken.

    Der erste Reichsparteitag fand vom 27.-29. 1. 23 in München, der zweite nach Wiederbegründung der Partei in Weimar am 3./4. 7. 26 statt. Es folgten zwei weitere Reichsparteitage in Nürnberg (19.-21. 8. 27 und 1.-4. 8. 29), bevor die Reichsparteitage nach 1933 als wichtige Feiern quasi staatlichen Charakter bekamen. Sie wurden nun jeweils unter ein Motto gestellt: 31. 8.-3. 9. 33 "Sieg des Glaubens" zur Feier der Machtergreifung, 4.-10. 9. 34 "Triumph des Willens" nach Vollendung der Diktatur Hitlers, 10.-16. 9. 35 "Reichsparteitag der Freiheit" zur Verkündung der Nürnberger Gesetze über die Judendiskriminierung, 8.-14. 9. 36 "Reichsparteitag der Ehre" nach den erfolgreichen Olympischen Spielen und der Rheinlandbesetzung, 6.-13. 9. 37 "Reichsparteitag der Arbeit" zur Verkündung des Vierjahresplans, 5.-12. 9. 38 "Reichsparteitage Großdeutschlands" nach dem Anschluss Österreichs. Der für 1939 vorgesehene (11.) "Reichsparteitag des Friedens" fiel aus wegen des Kriegsbeginns.