Reichspräsident

    Aus Lexikon Drittes Reich

    gemäß Weimarer Verfassung Staatsoberhaupt des Deutschen Reichs 1919 bis 1934. Der vom Volk direkt auf sieben Jahre gewählte Reichspräsident hatte neben den repräsentativen Aufgaben erhebliche politische Macht als höchstes Staatsorgan mit dem Recht der Ernennung und Abberufung des Reichskanzlers, der Auflösung des Reichstags und der temporären Diktatur nach Artikel 48 der Verfassung. Hinzu kam der Oberbefehl über die Streitkräfte. Die Möglichkeiten der Absetzung des Reichspräsidenten (Volksabstimmung, Klage vor dem Staatsgerichtshof) waren dagegen bedeutungslos. Der erste Reichspräsident Ebert, der noch von der Nationalversammlung und nicht vom Volk gewählt worden war, legte seine Kompetenzen zur Stabilisierung der Republik höchst zurückhaltend aus. Sein früher Tod (28. 2. 25) beraubte die SPD ihres aussichtsreichsten Kandidaten. Bei den Wahlen vom 29. 3. 25 erlangte für sie O. Braun nur 29 der Stimmen. Als die rechten Parteien beim zweiten Wahlgang am 26. 4. 25 Hindenburg als Kandidaten präsentierten, war die Weimarer Koalition geschlagen. Obwohl strikt verfassungstreu, entwickelte sich Hindenburg schon wegen seiner Verankerung im wilhelminischen Denken für die Massen zum "Ersatzkaiser" und trug damit ungewollt zur weiteren Erosion der demokratischen Fundamente der Republik bei. Gewollt dagegen war die Entmachtung des immer weniger mehrheitsfähigen Reichstags durch die Präsidialkabinette ab 1930. Hitler erkannte im Amt des Reichspräsidenten den kürzesten legalen Weg zur Macht und bewarb sich 1932 darum. Er unterlag zwar Hindenburg (53 %), erzielte aber mit 36,8 % der Stimmen im zweiten Wahlgang am 10. 4. 32 ein erstaunliches Ergebnis und konnte beruhigt den "Umweg" über die Kanzlerschaft zur Diktatur einschlagen. Nach Hindenburgs Tod (2. 8. 34) vereinigte er das Reichspräsidentenamt mit dem des Regierungschefs zur neuen Position des Führers und Reichskanzlers mit unumschränkter Machtfülle.