Reichsschrifttumskammer

    Aus Lexikon Drittes Reich

    eine der sieben Einzelkammern der Reichskulturkammer, gegründet am 1. 11. 33 durch die "1. Verordnung zur Durchführung des Reichskulturkammergesetzes". Die Reichsschrifttumskammer war 1937 in sieben Abteilungen gegliedert, die sämtliche an Herstellung, Vermittlung und Vertrieb nichtperiodischer Literatur (mit Ausnahme der wissenschaftlichen) beteiligten Berufsgruppen und Institutionen umfassten, so die Gruppe Schriftsteller, hervorgegangen aus dem "Reichsverband deutscher Schriftsteller", der im Oktober 35 aufgelöst wurde, die Gruppe Buchhandel, hervorgegangen aus dem "Reichsbund deutscher Buchhändler e. V.", und die Abteilung Büchereiwesen, Verband deutscher Volksbibliothekare. Präsident war bis 3. 10. 35 Blunck (danach Altpräsident), 1935-45 Johst, Vizepräsident waren die jeweiligen Leiter der Abteilung VIII (Schrifttum) des Propagandaministeriums: 1933-36 P. Wismann, 1936-39 Karl Heinz Hederich, 1939-41 Alfred-Ingemar Berndt und dann bis 1945 Wilhelm Haegert. Geschäftsführer: bis 1935 Gunther Haupt, dann Suchenwirth, Eduard Koelwel und Wilhelm Ihde.

    Ab 25. 4. 34 führte die Reichsschrifttumskammer die "Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums" und war damit in enger Zusammenarbeit mit der Reichsschrifttumsstelle des Propagandaministeriums an der Buchzensur beteiligt. Die Zugehörigkeit zur Reichsschrifttumskammer war für alle im Literatursektor Tätigen Pflicht, eine Berufsausübung ohne Mitgliedschaft nicht möglich. In der Reichsschrifttumskammer als eines Teils der kulturellen "Arbeitsfront" sollten kontroverse Gruppeninteressen von Arbeitgebern und -nehmern aufgehoben erscheinen und eine weitgehende berufsständische Selbstverwaltung vorgetäuscht werden. Faktisch war auch sie wie die übrigen Einzelkammern ein wichtiges Instrument des Propagandaministeriums zur Kontrolle und kulturellen Manipulation der Öffentlichkeit.