Reichssicherheitshauptamt

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (RSHA), am 27. 9. 39 als "Zusammenfassung der zentralen Ämter der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdiensts des Reichsführers-SS (SD)" geschaffene Behörde. Mit Gründung des RSHA wurde der v. a. von Himmler angestrebte Verschmelzungsprozess von Ämtern aus dem staatlichen Bereich mit Ämtern aus der nationalsozialistischen Bewegung abgeschlossen. Das RSHA war Himmler unterstellt und wurde zuerst von Heydrich (bis zu seinem Tod 4. 6. 42), vorübergehend von Himmler selbst und ab 30. 1. 43 von Kaltenbrunner geleitet. Es gliederte sich in zunächst sechs, ab 1940 in sieben Ämter:

    • Amt I unter Bruno Streckenbach war für Personalfragen, also v. a. für Auswahl und Linientreue der Mitarbeiter zuständig. *Amt II unter Best, später unter Hans Nockmann, war die juristische Abteilung und zuständig für Organisation, Recht und Verwaltung. *Amt III unter Ohlendorf war der ursprüngliche SD, nun als Inlandsnachrichtendienst bezeichnet. *Amt IV war die Geheime Staatspolizei unter H. Müller, *Amt V das Reichskriminalpolizeiamt unter Nebe,* Amt VI der Auslandsnachrichtendienst unter Heinz Jost, später unter Schellenberg. *Amt VII unter Franz Six, später Paul Dittel, war für "weltanschauliche Forschung und Auswertung" zuständig, es archivierte Materialien und Literatur der politischen und ideologischen Gegner.Das RSHA war die Zentrale der außergerichtlichen nationalsozialistischen Terror- und Repressionsmaßnahmen ab Kriegsbeginn bis 1945. Insbesondere die Ämter III und IV waren berüchtigt für den Terror im Innern und in den besetzten Gebieten. Dort setzte das RSHA zur "Gegnerbekämpfung" u. a. mobile Einsatzgruppen ein. Mitte 41 wurde dem RSHA die "technische Durchführung" der Endlösung übertragen. Ab September 42 konnte das RSHA Gerichtsurteile "durch Sonderbehandlung korrigieren", d. h. die Betreffenden liquidieren; es griff in die Zuständigkeitsbereiche der Justiz, z. B. in schwebende Verfahren, ein und übte ab November 42 die gesamte Strafrechtspflege aus gegenüber Polen und Juden in den besetzten Gebieten, von Sommer 43 an auch im Reich.