Reichstagsbrand

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Vernichtung großer Teile, insbesondere des Plenarsaals, des Reichstagsgebäudes in Berlin durch Feuer am Abend des 27. 2. 33. Der niederländische Anarchist van der Lubbe war kurz nach 21 Uhr ins Parlamentsgebäude eingedrungen und hatte mit Kohlenanzündern mehrere Brände gelegt, die er mit Stofffackeln weitertrug. Als er um 21.27 Uhr gestellt werden konnte, ließ sich der Plenarsaal trotz massiven Feuerwehreinsatzes nicht mehr retten, da die Kuppel geborsten war und ein so genannter Schlot-Effekt entstand. Hitler und die nationalsozialistische Führung, die unmittelbar danach am Tatort erschienen, bezeichneten den Reichstagsbrand sofort als "kommunistisches Fanal" für einen Aufstand gegen die neue Regierung der "nationalen Erhebung" und nutzten die Gelegenheit zu einer schlagartigen Massenverhaftung (ca. 4 000) kommunistischer und auch einiger SPD-Funktionäre nach vorbereiteten Listen. Am Tag darauf setzte die Reichstagsbrandverordnung wesentliche Grundrechte außer Kraft, der kommunistische Wahlkampf für die Reichstagswahl am 5. 3. 33 wurde unterbunden, der sozialdemokratische schwer behindert (Zeitungs-, Versammlungsverbote u. a.).

    Nach der klassischen Frage "cui bono", wem der Reichstagsbrand genutzt habe, entstand unmittelbar nach dieser planvollen Reaktion der Regierung der Verdacht, der Brand sei von den Nationalsozialisten gelegt worden. Dazu trug bei, dass vom Palais des Reichstagspräsidenten Göring ein unterirdischer Gang in das Reichstagsgebäude führte, der ein idealer Fluchtweg für die Brandstifter hätte sein können, die Lubbe nur missbraucht hätten. Zudem schien es schwer vorstellbar, dass ein Einzelner das Riesenbauwerk in Flammen gesetzt hatte. Doch weder die Kommunisten mit ihrem Braunbuch noch die Nationalsozialisten, die außer Lubbe noch den KPD-Fraktionsführer Torgler, der am Abend als Letzter den Reichstag verlassen hatte, sowie die in Berlin weilenden Komintern-Funktionäre Dimitrow, Popoff und Taneff im Reichstagsbrandprozess anklagen ließen, konnten ihre Version beweisen. Auch eine Historiker-Kommission nach dem Krieg unter Leitung des Schweizer Professors Walter Hofer vermochte Lubbes hartnäckige Behauptung von seiner Alleintäterschaft nicht zu erschüttern.