Reichsvertretung der deutschen Juden

    Aus Lexikon Drittes Reich

    1933 gegründeter Dachverband (Präsident Leo Baeck) jüdischer Organisationen zur Abwehr des nationalsozialistischen Rasseantisemitismus unter Hintanstellung zionistischer oder assimilatorischer Positionen; mit den Nürnberger Gesetzen zwangsweise umbenannt in Reichsvertretung der Juden in Deutschland und nach der 10. Verordnung zum Reichsbürgergesetz am 4. 7. 39 in Reichsvereinigung der Juden in Deutschland. Schon der Namenswandel spiegelte die schrittweise Entrechtung: Aus der Nationalität wurde eine Lokalisierung, aus einer Vertretung (von Rechten und Ansprüchen) eine unverbindliche Vereinigung. Damit einher gingen eine Einengung der Wirkungsmöglichkeiten der Reichsvertretung der deutschen Juden und ein Wandel der Aufgaben.

    Zunächst stand die Organisation eines eigenen Schul- und Bildungswesens im Vordergrund, weil im Erziehungsbereich die Einschränkungen zuerst wirksam wurden. Die wirtschaftlichen Nöte aber wurden bald durch Berufsverbote (Arierparagraph) noch drängender, so dass die Hauptaufgaben der Reichsvertretung der deutschen Juden in der Sozialhilfe lagen, die aus ererbten Vermögen und ausländischen Spenden finanziert wurde. Nach der Kristallnacht konzentrierte sich die Reichsvertretung der deutschen Juden dann auf die Förderung der jüdischen Auswanderung, wobei sie zur Zusammenarbeit mit SS-Stellen gezwungen war. Bis zum Auswanderungsverbot vom 23. 10. 41 verließen rund 300 000 (von insgesamt einer halben Million) Juden Deutschland. Nach dem Verbot löste Deportation in Gettos und Vernichtungslager die Auswanderung ab, wobei die Reichsvertretung der deutschen Juden in Unkenntnis der Ziele zu organisatorischer Hilfe (Ordnerdienst u. a.) gezwungen wurde, bis ihr Verbot im Juni 43 ihrer Tätigkeit ein Ende machte.