Reichswehr

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Bezeichnung für die Streitkräfte des Deutschen Reichs 1919-35, gemäß Versailler Vertrag bestehend nur aus Heer (100 000 Mann) und Marine (15 000 Mann), da Luftrüstung untersagt war. Trotz ihrer zahlenmäßigen Schwäche stellte die Reichswehr wegen des hohen Ausbildungsstands ihrer Berufssoldaten als Kerntruppe für eine spätere große Armee ein beachtliches militärisches Instrument dar, das wegen des Verbots von Angriffswaffen (Panzer, Kampfgas, U-Boote u. a.) mit geheimen Aufrüstungsmaßnahmen ausgebaut wurde in Zusammenarbeit mit der Roten Armee (ab 1924 Panzerschulung, ab 1930 Luftwaffenausbildung). Die Reichswehr stand unter dem Oberbefehl des Reichspräsidenten, dessen Verfügungen aber vom Reichswehrminister (1919/20 Noske, bis 1928 Geßler, bis 1932 Groener, dann bis zur Machtergreifung Schleicher und danach Blomberg) gegengezeichnet werden mussten. Militärische Führer waren der Chef der Heeresleitung (1919/20 Reinhardt, bis 1926 Seeckt, bis 1930 Heye, dann Hammerstein-Equord) und der Chef der Marineleitung (1919/20 Trotha, bis 1924 Behncke, bis 1928 Zenker, dann Raeder).

    Gebildet aus ehemaligen Angehörigen des kaiserlichen Heers und der kaiserlichen Marine, aus Freikorps und sonstigen Freiwilligen, war die Reichswehr von antirepublikanischem Geist geprägt, hielt sich aber während der ersten Krisenjahre an den Verfassungsauftrag. Nach Hindenburgs Amtsantritt als Reichspräsident (1925) keimten in der Reichswehr Hoffnungen auf einen neuen autoritären Staat, die in der Zeit der Präsidialkabinette neuen Auftrieb bekamen. Zwar war Hitler nicht unbedingt der Mann der Reichswehr, die er intensiv umwarb, doch wurde seine Machtübernahme begrüßt, zumal er sofort Schritte zur Aufrüstung ankündigte (Rede vor Reichswehrgenerälen am 3. 2. 33). Nach der Entmachtung der SA und der Liquidierung ihrer Volksmilizpläne in der Röhm-Affäre (30. 6. 34) machte die Reichswehr endgültig ihren Frieden mit dem nationalsozialistischen Regime und führte die Vereidigung der Soldaten auf Hitler persönlich ein. Seit der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht (16. 3. 35) hieß sie offiziell Wehrmacht.