Reinhard Heydrich

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher SS-Führer

    geboren: 7. März 1904 in Halle an der Saale gestorben: 27. Mai 1942 in Prag


    Der Vater Bruno Heydrich, früherer Heldentenor, leitete ein Konservatorium. Sein Sohn Reinhard lernte sehr früh und gut Geige spielen und betätigte sich schon als Gymnasiast in vielen Sportarten, unter denen später Fechten dominierte. Auch gewann er in seiner kurzen Marine-Laufbahn (1928 Oberleutnant), die nach dem Abitur einsetzte, Meisterschaften im Segeln. Die See-Karriere des preußischen Binnenländers endete 1931 abrupt durch ein Ehrenverfahren wegen gebrochenen Eheversprechens. In der standesbewussten Waffengattung galt dieser Vorwurf als ehrenrührig. Heydrich wurde wegen Unwürdigkeit verabschiedet.


    Er bewarb sich bei der SS und wurde vom Reichsführer Himmler mit dem Aufbau eines SS-eigenen Sicherheitsdiensts (SD) beauftragt. Heydrich formte ihn zu einem umspannenden Nachrichtendienst und wurde im Juli 32 dessen Chef. 1931 hatte er Lina v. Osten geheiratet. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor. Als Himmlers engster Mitarbeiter folgte er dessen Karrierestationen jeweils unmittelbar nachgeordnet: Als "rechte Hand" des Reichsführers unterwarf er mit ihm von München aus 1933 die politische Polizei (Geheime Staatspolizei) in allen deutschen Ländern außer in Preußen, ab 1934 auch hier, wenngleich noch unter Görings Oberaufsicht. Die delegierte Macht reichte aber völlig aus für eine erfolgreiche Intrigenarbeit in der Röhm-Affäre. Als Himmler im Juni 36 Chef der deutschen Polizei wurde, vereinigte Heydrich in seiner Zuständigkeit zusammen mit dem SD die gesamte politische und zivile Geheimpolizei (Gestapo und Kripo); Titel: Chef der Sicherheitspolizei und des SD (CSSD). Die Ressorts wurden 1939 mit einigen weniger bedeutenden im Reichssicherheitshauptamt zusammengefasst.

    Die obersten nationalsozialistischen Machtträger verfochten zumeist fanatisches Rassenbewusstsein, ohne selber den Ansprüchen äußerlich zu genügen. Heydrich verkörperte die Ansprüche, ohne sie innerlich zu vertreten. Nach den Kriterien der SS-Auslese ein nordischer Idealtypus - blond, blauäugig, hochgewachsen, mit scharf geschnittenen Zügen -, war Heydrich nicht wie namentlich Hitler und Himmler innerlich von dem getrieben, was er tat und ausführte. Wo er Macht ausübte, besaß sie ihren Zweck in sich selber. Alle Tatkraft, Nüchternheit, hohe Intelligenz setzte er in einer technokratischen Weise ein, die keine über die eigene Existenz hinausreichenden Ziele kannte. Insofern war ihm auch Himmlers pervertierter Idealismus fremd. Er diente dem Regime mit äußerster Konsequenz, ohne sich dogmatisch mit ihm zu verbünden. Von diesem "Manager des Terrors" urteilt der Mainzer Kriminologe A. Merge, er habe die Welt weder beglücken noch verändern wollen, sondern nur unterwerfen: "ein Techniker des Mordes um der Macht willen". Menschenverachtend, aber ohne Sadismus, zynisch, doch ohne persönliche Befriedigung am Töten, wurde Heydrich der Weichensteller der Massenvernichtung. An ihn übermittelte Göring im Juli 41 den Befehl zur Endlösung der Judenfrage. Heydrich leitete am 20. 1. 42, von Prag kommend, wo er seit September 41 neben seinen bisherigen Ämtern noch stellvertretender Reichsprotektor für Böhmen und Mähren war, die Wannseekonferenz, die das Programm der Endlösung in den bürokratischen Vollzug übertrug. Die Vernichtungslager aber unterstanden nicht dem im September 41 zum SS-Obergruppenführer ernannten Gestapochef.

    Heydrichs pragmatischem Verstand widerstrebte es, ohne Gegenleistung auszubeuten, denn solche Methode minderte ja den erstrebten Effekt. So irritierte er die Tschechen, nach gezieltem Terror am Anfang (zur Einschüchterung), durch umfangreiche Sozialmaßnahmen. Vor allem wurde die Arbeit für die Okkupationsmacht leistungsgerecht bezahlt. Die Lebensmittelversorgung wurde verbessert, die Industrie angekurbelt. In relativ großem Umfang befriedete Heydrich Böhmen und Mähren. Eben dies missfiel im höchsten Grad der tschechischen Exilregierung in London. Das unterjochte Volk durfte nicht stillhalten. So erging der Befehl, Heydrich zu beseitigen. Fallschirm-Agenten lauerten ihm am 27. 5. 42 auf der täglich gleichen Fahrtroute zum Hradschin auf. Heydrich wurde schwer verletzt und starb nach acht Tagen an Blutvergiftung. Die Racheaktion der SS gegen das Dorf Lidice - von wo angeblich den Tätern Hilfe geleistet worden sein sollte - ließ die Rechnung der Exilregierung voll aufgehen.