Revuefilm

    Aus Lexikon Drittes Reich

    populäres Genre filmischer Unterhaltung, bei dem die Handlung nur als roter Faden für Musik- und Tanzszenen dient; im Dritten Reich äußerst erfolgreich. Die Anfänge des Tonfilms schufen Ende der 20er Jahre die Voraussetzungen für den Revuefilm, der in Deutschland die Operetten- und Varietétraditionen fortführte, sich aber auch nach 1933 am Vorbild des Hollywood-Musicals orientierte (amerikanische Ausstattungsrevuen liefen bis 1939 in deutschen Großstadtkinos). Der deutsche Revuefilm litt darunter, dass internationale Stars nach 1933 Deutschland mieden oder als "Nichtarier" nicht auftreten durften, so dass er eher hausbackene Publikumslieblinge wie Marika Rökk oder Johannes Heesters hervorbrachte. Die deutschen Revuefilmkomponisten mussten hinter dem Schwung der amerikanischen Vorbilder zurückbleiben, da selbst winzige Anleihen beim Jazz zu Beanstandungen führen konnten. Bei Ausstattung, Kostümen und Kulissen aber wurden keine Kosten gescheut ("Der weiße Traum", 1943, gehörte mit über zwei Millionen RM zu den teuersten Produktionen). Der Revuefilm diente, insbesondere im Krieg, der Ablenkung vom Alltag, entsprach mit seinen rhythmischen Massenszenen dem nationalsozialistischen Kollektivismus und stellte die Frau in der erwünschten Mischung von erotischem Stimulans und dienender Weiblichkeit dar, u. a. im erfolgreichsten Film des Dritten Reichs (27 Millionen Zuschauer), "Die große Liebe" (1942), mit Zarah Leander. Die meisten Regisseure, Komponisten und Darsteller des deutschen Revuefilms konnten ihre Arbeit in den 50er Jahren bruchlos fortsetzen (Film).