Richard Wagner

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Komponist

    geboren: 22. Mai 1813 in Leipzig gestorben: 13. Februar 1883 in Venedig


    Kein Künstler ist von Hitler und den Nationalsozialisten so verehrt worden wie Wagner. Dazu beigetragen haben sowohl Form und Aussage seiner Werke wie der Kult um ihn, der schon zu Lebzeiten eingesetzt hatte.

    Nach entbehrungsreichen Jahren gelang Wagner 1842 mit seiner Oper "Rienzi" der künstlerische Durchbruch und mit der 1864 einsetzenden finanziellen Förderung durch den bayerischen König Ludwig II. der wirtschaftliche Erfolg. Schon diese Verbindung zum "Märchenkönig", dem Wagner die Errichtung eines eigenen Festspielhauses in Bayreuth (1872-76) und seiner dortigen Villa "Wahnfried" (1873/74) verdankte, hat wesentlich zur Wagner-Legende beigetragen. Seine ideologische Vereinnahmung aber durch den Nationalsozialismus wurde möglich durch antisemitische Schriften ("Das Judentum in der Musik", 1850) und die fast religiöse Verherrlichung des Volkstums in seinen Opern. Mit ihnen wollte Wagner, der auch alle Texte selbst schrieb, Gesamtkunstwerke zur Wiedervereinigung von Dichtung, Musik und Mimik schaffen, in ihnen sollten Künstler und Volk wieder zusammenfinden. So entstanden Monumentalwerke wie v. a. "Der Ring des Nibelungen" (1854-74), die dem nationalsozialistischen Bedarf nach Überdimensioniertem entsprachen. Dass im Dritten Reich die Wagner-Opern als Ausdruck "heroisch-deutscher Weltanschauung" gefeiert wurden, lag auch an ihrer Thematik und Formgebung. Bevorzugt verarbeitete Wagner deutsch-mittelalterliche Stoffe ("Parsifal", 1882) und lehnte sich an die altgermanische Stabreimdichtung an. Hinzu kam eine Hinwendung zum Volk in der wohl erfolgreichsten Oper "Die Meistersinger von Nürnberg" (1867), die von nationalsozialistischen Interpreten als "starkes Bekenntnis zu deutscher Art" und als "aus dem Urquell der Volkskraft gespeiste Kunst" gewertet wurde; die Figur des Hans Sachs galt als ideale Verkörperung von Tatkraft, Ordnung und Meisterehre. Kein Werk stehe "unserer Zeit in ihren seelischen und geistigen Spannungen" so nahe (Goebbels 1933).

    Wagner legte in seinen späten Jahren mit der Übernahme von Rassentheorien Gobineaus den Grund auch für die antisemitische Instrumentalisierung seines Ruhms. Sein Schwiegersohn und glühender Verehrer H. St. Chamberlain gab, ab 1923 mit Hitler persönlich bekannt, der Wagner-Rezeption diese Richtung. Die Bayreuther Festspiele, von den führenden Nationalsozialisten gern zur Selbstdarstellung genutzt, galten im Dritten Reich auch dem ideologischen Ahnen.