Richard Walter Darré

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Politiker

    geboren: 14. Juli 1895 in Belgrano (Argentinien) gestorben: 5. September 1953 in München


    (Taufname Ricardo), der Sohn eines auslandsdeutschen argentinischen Kaufmanns nahm als Freiwilliger am Ersten Weltkrieg teil (Westfront), legte 1920 sein Diplom als Kolonialwirt ab und studierte anschließend in Halle/Saale Agrarwissenschaft (Schwerpunkte: Tierzucht und Vererbungsfragen). Seine Bücher "Das Bauerntum als Lebensquell der nordischen Rasse" (1928), "Neuadel aus Blut und Boden" (1930) und "Das Zuchtziel des deutschen Volkes" (1931) forderten ein neues "Adelsbauerntum" als biologischen Kern der künftigen Geschichte. Darré sah in der Verstädterung ein Hauptübel der Neuzeit. 1930 trat Darré der NSDAP bei und formulierte als agrarpolitischer Beauftragter Hitlers das erste Agrarprogramm der Partei, das deren bislang auf das Kleinbürgertum zielende Programmatik mit dem Schlagwort "Blut und Boden" um die Ausrichtung auf den Bauernstand erweiterte. Darré stieg 1931 zum Leiter des Rasse- und Siedlungshauptamts (RuSHA) der SS und zum Reichsleiter des Amts für Agrarpolitik auf und gab die Zeitschriften "NS-Landpost" und "Deutsche Agrarpolitik" (seit 1939 "Odal") heraus.

    Nach der Machtergreifung betrieb Darré die Gleichschaltung aller landwirtschaftlichen Verbände unter dem Dach des Reichsnährstandes, den er 1934-42 unter dem Titel eines "Reichsbauernführers" lenkte; er löste Hugenberg als Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft ab (Juni 33), erließ das Erbhofgesetz (September 33), das den Verbleib entschuldeter Besitztümer in den bäuerlichen Familien für alle Zeiten sichern und der Landflucht entgegenwirken sollte, und verordnete dem Markt feste Preise. Obgleich 1936 mit dem Goldenen Parteiabzeichen geehrt, markiert dieses Jahr Darrés Abstieg; seine dem bäuerlichen Einzelschicksal verpflichtete Politik passte nicht in Görings auf größtmögliche Produktion ausgerichteten Vierjahresplan, seine altertümliche Blut-und-Boden-Romantik wurde im RuSHA als "zu theoretisch" kritisiert (1938 als dessen Leiter abgelöst). Darré, der den geistigen Boden der NS-Lebensraumideologie mit bereitet hatte, meldete Widerspruch gegen die Methodik der Himmlerschen Ostsiedlungspläne an, ebenso gegen die Methodik der Hitlerschen Kriegführung, was 1942 zu seiner Amtsenthebung (als Reichsminister durch Backe ersetzt) und Verbannung in sein Jagdhaus in der Schorfheide führte, wo er die Schrift "Im Kampf um die Seele des deutschen Bauern" (1943) verfasste. Nach Kriegsende wurde Darré verhaftet und im Wilhelmstraßenprozess zu sieben Jahren Haft verurteilt, 1950 jedoch vorzeitig entlassen.