Rohstoffwirtschaft

    Aus Lexikon Drittes Reich

    verstärkte Konzentration der nationalsozialistischen Wirtschaft auf Beschaffung und Ersatz von v. a. rüstungswichtigen Rohstoffen. Durch die unzureichende Ausstattung Deutschlands mit industriellen Rohstoffen war die nationalsozialistische Regierung zur Ausnutzung aller Möglichkeiten einer Rohstoffversorgung gezwungen. Im Rahmen des Autarkie-Konzepts sollte die deutsche Wirtschaft vom Ausland unabhängig gemacht werden, die für die Aufrüstung benötigten Rohstoffe waren möglichst im Land selbst zu erzeugen. Der durch die Rüstungskonjunktur gestiegenen Nachfrage nach ausländischen Rohstoffen musste mit einem staatlich gelenkten Außenhandel mit strenger Devisenbewirtschaftung nachgekommen werden, denn die Einfuhrabhängigkeit z. B. der Schwerindustrie betrug 1928 noch 60 %. So wurden Maßnahmen zur staatlichen Rohstofflenkung das wichtigste Instrument zur Steuerung der industriellen Produktion. Eine Kontingentierung der Rohstoffe war 1934 ( Neuer Plan) eingeführt worden, von 1935 an verstärkte sich jedoch die Verknappung der Rohstoffe, was die bisherige Rohstoffbewirtschaftung als unzureichend auswies, und ab 1936 sollte dann der Vierjahresplan außen- wie binnenwirtschaftlich die Rohstoffwirtschaft neu regeln. So wurde die Entwicklung von Kunst- und Ersatzstoffen, z. B. synthetischer Treibstoff, Textilfasern und Gummi (Buna), vorangetrieben, bereits 1933 war ein "Benzinvertrag" zwischen Regierung und I. G. Farben geschlossen worden, heimische Rohstoffe wie Eisenerze wurden in den Reichswerken Hermann Göring völlig unrentabel verhüttet. In der Bevölkerung wurden laufend umfangreiche propagandistische Schrottsammelaktionen durchgeführt. Trotz dieser Maßnahmen mussten jedoch bei Kriegsausbruch noch 45 % der Eisenerze eingeführt werden. Endgültig sollte das Rohstoffproblem erst durch die Eroberung fremder Gebiete gelöst werden.