Rudolf Höß

    Aus Lexikon Drittes Reich

    KZ-Kommandant

    geboren: 25. November 1900 Baden-Baden gestorben: 16. April 1947 Auschwitz


    Kriegsfreiwilliger, Mitglied des Freikorps Roßbach, 1922 NSDAP-Beitritt. Wegen Mord an dem Lehrer Walther Kadow (Parchimer Fememord), an dem auch Bormann beteiligt war, wurde Höß 1923 zu zehn Jahren Haft verurteilt, aber schon am 14. 7. 28 amnestiert. Er schloss sich den Artamanen an, wo er Himmler kennen lernte, der ihn 1934 zum Eintritt in die SS bewegte und ihn zum Block- und Rapportführer im KZ Dachau machte. Über das KZ Sachsenhausen (1938) kam Höß, zum SS-Hauptsturmführer befördert, am 1. 5. 40 als Kommandant ins KZ Auschwitz, das er zum größten der nationalsozialistischen Vernichtungslager ausbaute.


    Der streng katholisch erzogene Höß, der mit Frau und fünf Kindern in der Todesfabrik lebte, fragte nie nach dem Warum der Mordbefehle, sondern war nur um möglichst hohe Effizienz bemüht, wozu auch die ausgeklügelten Täuschungsmanöver gehörten, mit denen den Opfern bis zuletzt ihr wahres Schicksal verschleiert wurde ("entlausen", "duschen" u. a.). Höß war es auch, der die Tötung mit Zyklon B einführte, die ihm "hygienischer" erschien als die Blutbäder der Erschießungsaktionen. Er hielt strikt auf "korrekte" Behandlung der Häftlinge, für die er, wie er später schrieb, eigentlich "zuviel Mitleid" empfand, konnte aber Exzesse des Wachpersonals (u. a. Boger) nie abstellen. Ende 43 wurde Höß abgelöst und unter Glücks in die Leitung der Amtsgruppe D (Konzentrationslager) im WVHA versetzt. Anfang Mai 44 kehrte er vorübergehend nach Auschwitz zurück, um die Vernichtung von 400#000 ungarischen Juden zu organisieren.

    Erst am 11. 3. 46 wurde Höß von britischer Militärpolizei gefasst. Seine Aussage im Nürnberger Prozess gehörte zu den schockierendsten des gesamten Verfahrens. Die Zahl der in Auschwitz vergasten Personen bezifferte er auf zwei Millionen. Am 5. 6. 46 wurde Höß nach Polen gebracht und schrieb dort in der Haft das erst 1958 in Deutschland erschienene Bekenntnis "Rudolf Höß - Kommandant in Auschwitz", in dem er darzulegen versuchte, dass er völlig guten Gewissens gehandelt habe. Am 2. 4. 47 wurde Höß vom Obersten Volksgericht in Warschau zum Tod verurteilt und wenig später vor seinem einstigen Haus in Auschwitz erhängt.