Rudolf Hilferding

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutsch-österreichischer Politiker

    geboren: 10. August 1877 in Wien gestorben: 11. Februar 1941 in Paris


    zunächst in Wien Kinderarzt. Hilferding gehörte bald durch zahlreiche Artikel und Streitschriften zu den führenden Theoretikern der deutschen Sozialdemokratie, die ihn 1906 zunächst als Lehrer an ihre Parteischule nach Berlin berief, dann zum Redakteur des "Vorwärts". 1910 erschien Hilferdings theoretisches Hauptwerk "Das Finanzkapital", in dem er die marxistische These vom unvermeidlichen Zusammenbruch des kapitalistischen Systems revidierte. 1919-22 bei der USPD, kehrte Hilferding zur SPD zurück und entwickelte zunehmend reformistische Positionen, die er als Reichsfinanzminister 1923 und 1928/29 umzusetzen suchte. Von den Nationalsozialisten wurde er wegen seiner theoretischen Schriften als "Marxist" und "dogmengläubiger Israelit", wegen seiner Zustimmung zu den Reparationen als "Erfüllungsgehilfe" der "finanziellen Ausblutung Deutschlands" angegriffen. 1933 musste Hilferding in die Schweiz fliehen, wo er u. a. federführend das Prager Manifest, das Exilparteiprogramm der SPD, formulierte. 1935 wegen "deutschfeindlicher Hetze" ausgebürgert, ging Hilferding nach Frankreich, wurde von der französischen Polizei am 9. 2. 41 in Vichy verhaftet, an die Gestapo ausgeliefert und starb nach Misshandlungen im Gefängnis.