Ruhrkampf

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Widerstand gegen die Besetzung des Ruhrgebietes am 9. 1. 23 durch französische und belgische Truppen unter dem Vorwand, Berlin sei mit seinen Reparationslieferungen (Holz, Telegrafenpfähle, Kohle) im Rückstand (Politik der "produktiven Pfänder"). Der Ruhrkampf wurde von der Bevölkerung mehrheitlich als "passiver Widerstand" (Einstellung von Reparations- und Dienstleistungen an die Besatzungsmächte, Stilllegung von Gruben, Fabriken, Eisenbahnen), zum geringeren Teil auch mit aktiven Sabotagemaßnahmen (Versenkung von Binnenschiffen, Blockierung von Kanälen, Sprengung von Schienen) geführt und löste zeitweise sogar eine Aktionsgemeinschaft zwischen Nationalsozialisten ( Schlageter) und Kommunisten (nationalkommunistischer "Schlageter-Kurs" unter Radek) aus. Gegenterror, Repressalien und Ausweisungen seitens der Besatzungsmächte führten zu Hass und Verbitterung unter der Bevölkerung; die finanzielle Unterstützung des Ruhrkampfs durch die Reichsregierung ließ den Kurs der Reichsmark ins Bodenlose fallen (Inflation). Die Franzosen ermutigten separatistische Bewegungen im Rheinland und in der Pfalz. Die politischen und wirtschaftlichen Gefahren veranlassten Reichskanzler Stresemann am 26. 9. 23 zum bedingungslosen Abbruch des Ruhrkampfs; diese Entscheidung löste u. a. am 9. 11. 23 den Hitlerputsch aus. Am Ende leitete aber die Wiederaufnahme der Erfüllungspolitik die Durchbrechung der internationalen moralischen Isolierung des Deutschen Reichs und die vermittelnde Tätigkeit Englands und der USA in der Reparationsfrage ( Dawesplan) ein. Das Ruhrgebiet wurde bis zum Juli 25 wieder geräumt.