Rumänien

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Staat in Südosteuropa mit 294 967 km2 und rund 18 Millionen Einwohnern (1930); wechselnde Staatsform: 1918-38 konstitutionelle Monarchie, Februar 38-September 40 Königsdiktatur unter Carol II., September 40-23. 8. 44 autoritäres Regime unter I. Antonescu. Innenpolitisch war Rumänien ab 1918 instabil und krisengeschüttelt: Agrarfrage, Antisemitismus, Aufkommen faschistischer Gruppierungen (Eiserne Garde u. a.) neben den beiden großen Blöcken der Nationalen Bauernpartei und der Liberalen Partei, rasch wechselnde Koalitionen, Korruptionsfälle, Integrationsprobleme der nationalen Minderheiten. Außenpolitisch gelang bis 1940 eine Linie der Balance: Die Verteidigung der großen territorialen Gewinne in den Friedensverträgen von 1919/20 (Siebenbürgen, westliches Banat, Bukowina, Bessarabien, Süd-Dobrudscha) gegen die revisionistischen Ansprüche Ungarns, der Sowjetunion und Bulgariens verwies Rumänien auf die Kleine Entente und das Bündnis mit Polen (3. 3. 21) und Frankreich (10. 6. 26).

    Die durch die Agrarreform mitverursachte und durch die weltweite Depression 1929-32 dramatisch verschärfte Wirtschaftskrise (Preisverfall für Erdöl und Agrarprodukte, Absatzstockungen, Zahlungsunfähigkeit, hohe Arbeitslosigkeit) drängte Bukarest auch politisch immer enger an das nationalsozialistische Deutschland mit seinem nahezu unbegrenzten und krisensicheren Absatzmarkt (Erdöl, Weizen) und seinen Möglichkeiten des devisenlosen Zahlungsverkehrs über Clearings: 23. 3. 39 deutsch-rumänischer Wirtschaftsvertrag, 27. 5. 40 "Ölpakt". Die Kapitulation Frankreichs, die Ausschaltung von Großbritannien vom Kontinent und die Annexion Bessarabiens und der Nord-Bukowina durch die Sowjetunion am 28. 6. 40 entsprechend dem Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffsvertrag vom 23. 8. 39 ließen Rumänien endgültig in das Lager der "Achse" einschwenken: 30. 8. 40 2. Wiener Schiedsspruch, 23. 11. 40 Beitritt zum Dreimächtepakt, 25. 11. 40 zum Antikominternpakt, 24. 6. 41 Erklärung des "heiligen Kriegs" (Antonescu) gegen die Sowjetunion. Die Kriegswende bei Stalingrad, schwerste Verluste der rumänischen Truppen und der Einbruch sowjetischer Verbände nach Rumänien führten am 23. 8. 44 zur Verhaftung Antonescus, am 28. 8. 44 zur Kriegserklärung an Deutschland (12. 9. 44 rumänisch-sowjetischer Waffenstillstand) und in der Folge unter ständigem sowjetischen Druck zur Umwandlung Rumäniens in eine kommunistische Volksrepublik.