Rundfunk

    Aus Lexikon Drittes Reich

    im Dritten Reich wie alle Medien Herrschaftsmittel der Staatsführung zur Verwirklichung politischer Ziele und Interessen; nach Goebbels das "allermodernste und ... allerwichtigste Massenbeeinflussungsinstrument" zur propagandistischen Mobilisierung. Nachdem schon durch die Rundfunkordnung vom 18. November 32 ein "staatspublizistisches Organisationsgebilde" (Lerg) geschaffen worden war, begannen sofort nach den Reichstagswahlen vom 5. 3. 33 Entlassungen zahlreicher Mitarbeiter aus Programm, Technik und Verwaltung, alle Schlüsselstellungen wurden mit Nationalsozialisten besetzt. In einem im November 34 in Berlin eröffneten Rundfunkprozess versuchte man außerdem, allerdings im Wesentlichen ohne Erfolg, leitenden Mitarbeitern des Weimarer Rundfunks, u. a. Hans Bredow, dem Gründer des deutschen Rundfunks, "Korruptionssumpf" nachzuweisen.

    Die Rundfunkabteilung des Propagandaministeriums (Abteilung III) galt als "Befehlszentrale des Deutschen Rundfunks". Nachdem noch im März 33 die in das Innen- und Postministerium ressortierenden Rundfunkkompetenzen übernommen worden waren und Widerstände der Länder mit der endgültigen Festlegung der Aufgabenbereiche des Ministeriums am 30. 6. 33 gegenstandslos wurden, folgte bis Mai 34 die juristische Liquidation des Länderrundfunks: Das Vermögen der regionalen Rundfunkanstalten übernahm die Reichs-Rundfunk-Gesellschaft (RRG), die administrative Spitze des deutschen Rundfunks. Ab 1. 4. 34 wurden sie als "Reichssender", d. h. als unselbständige Filialen der RRG, von den jeweiligen Intendanten weitergeführt. Zentraler Rundfunknachrichtendienst war "Der Drahtlose Dienst" (DDD), Hauptschriftleiter bis 1938: Fritzsche, dann Walter Wilhelm Dittmar. Leiter der Rundfunkabteilung wurde bis Mai 37 Horst Dreßler-Andreß, bis August 39 Hans Kriegler, 1939-41 Alfred-Ingemar Berndt und (Februar-August 40) Hadamovsky, September 1941/42 Wolfgang Diewerge und vom 3. 11. 42 bis zum Kriegsende 1945 Fritzsche. Die RRG wurde umorganisiert. Ein fünfköpfiger Verwaltungsrat aus drei Vertretern des Propagandaministeriums und je einem Vertreter des Post- und Finanzministeriums wurde gebildet, den Vorsitz führte ein Staatssekretär des Propagandaministeriums, bis 1937 Funk, dann bis zur Auflösung des Verwaltungsrats im April 40 Hanke. Das Führungsgremium der RRG bestand aus "Reichssendeleiter" Hadamovsky, Direktor für die gesamte Programmgestaltung, dem technischen Direktor Claus Hubmann und dem kaufmännischen Direktor Hermann Voß. Erst zum 1. 4. 37 bekam die RRG mit dem Reichsintendanten Heinrich Glasmeier einen Generaldirektor. Mit Kriegsbeginn begann eine schrittweise Konzentration aller Machtbefugnisse auf die Rundfunkabteilung des Propagandaministeriums selbst, die RRG mit ihrem Generaldirektor trat immer mehr in den Hintergrund. Die Verantwortung für die unterhaltende und künstlerische Programmgestaltung übernahm im Oktober 41 Hinkel, für die politisch-propagandistischen Sendungen im Februar 42 die Leiter der Rundfunkabteilung selbst, Wolfgang Diewerge, dann Fritzsche. Hadamovsky schied im Juni 42 aus der RRG aus und wechselte als Stabsleiter in die Reichspropagandaleitung. Auch der Auslandsrundfunk wurde dem Generaldirektor 1941 entzogen und Toni Winkelnkemper übertragen, der direkt dem Propagandaministerium verantwortlich war.

    Um den Massenempfang auch tatsächlich zu ermöglichen, wurde in Zusammenarbeit mit der Reichsrundfunkkammer, der berufsständischen Zwangsorganisation aller Rundfunkmitarbeiter, der Bau "politischer Rundfunkgeräte" in die Wege geleitet, des Volksempfängers (1933), des Arbeitsfrontempfängers für den gemeinsamen Empfang in den Betrieben (1935) und des Deutschen Kleinempfängers (1938), auch "Goebbels' Schnauze" genannt. Mit diesen billigen und nur einfachsten technologischen Anforderungen genügenden Geräten sollten der nächstgelegene Reichssender und der Deutschlandsender auf Langwelle sicher zu empfangen sein.

    Am 1. 9. 39 wurde in der "Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaßnahmen" den deutschen Hörern das Abhören ausländischer Sender verboten. Im Inland-Rundfunk galt Programmkonzentration als das Gebot der Stunde. Ab Mai 40 waren sämtliche Rundfunksender "in ständiger Reichssendung zusammengeschaltet" (Diller), das bis zum 3. 5. 45 gesendete Einheitsprogramm des "Großdeutschen Rundfunks" wurde zunehmend auf Nachrichten, Wehrmachtberichte, politische Kommentare, Reportagen und Musik reduziert. Im Auslandrundfunk (Kurzwellensender), bis 1939 in alleiniger Kompetenz des Propagandaministeriums betrieben, kam es wegen der umstrittenen Zuständigkeiten auf dem Gebiet der gesamten Auslandspropaganda zu ständigen Ressortkämpfen zwischen Propagandaministerium, Wehrmacht und Auswärtigem Amt, das ab Mai 39 unter Gerd Rühle eine eigene Rundfunkabteilung aufbaute.

    Die wichtigsten Aufgabengebiete des Auslandrundfunks während des Kriegs waren neben der Fortführung des offiziellen staatlichen Auslandsprogramms: die "Neuordnung" des Rundfunks im besetzten Europa, der entweder dem Reichsrundfunk einverleibt (Österreich, Sender Prag II im Protektorat Böhmen-Mähren) oder der Militärverwaltung (Belgien) bzw. der Kontrolle der deutschen Reichskommissare unterstellt wurde (Dänemark, Niederlande, Frankreich, Norwegen); die Einflussnahme auf den Rundfunk der europäischen Verbündeten und Neutralen in Form von Rundfunkaustausch, Sendebeteiligungen, Subventionen u. a. m.; der Aufbau von Stör- und Geheimsendern, die unter der Tarnbezeichnung "Concordia" zusammengefasst und von Erich Hetzler geleitet wurden, als Beispiel sei hier die "New British Broadcasting Station" (NBBS) genannt, an der auch der berüchtigte "Lord Haw-Haw" (Joyce) mitarbeitete; schließlich die Einrichtung von Abhördiensten, deren bekanntester unter dem Namen "Sonderdienst Seehaus" am Großen Berliner Wannsee begründet wurde und vom Oktober 41 bis April 45 unter der Verantwortung von Propagandaministerium und Auswärtigem Amt arbeitete.