Südtirol (Provinz)

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (italienisch Alto Adige), südlich des Brenners gelegener Teil Tirols, der trotz seiner überwiegend deutschsprachigen Bevölkerung 1915 im Londoner Vertrag Italien als Gegenleistung für einen Kriegseintritt auf Seiten der Entente zugesagt und 1919 im Vertrag von Saint Germain-en-Laye übereignet wurde. Das Südtirol-Problem verschärfte sich, als unter Mussolini eine harte Italienisierungspolitik einsetzte: Verbot der deutschen Sprache in Ämtern und Schulen, Umwandlung von Ortsnamen, massive italienische Besiedlung u. a. Hitlers Machtergreifung und seine Politik eines Anschlusses Österreichs beschleunigten das Programm, da Rom von einem Großdeutschland die Rückforderung von Südtirol befürchtete und vollendete Tatsachen schaffen wollte. Hitler aber blendete in seiner Revisionspolitik die Südtirol-Frage bewusst aus, um Italien als Bundesgenossen zu gewinnen. Nach Bildung der Achse schloss er daher am 21. 10. 39 einen Vertrag mit Mussolini, der den Südtirolern ein Umsiedlungsangebot machte. 70 000 folgten bis 1943 dem Ruf und gingen v. a. nach Österreich und Bayern, 25 000 wanderten später wieder zurück. Nach dem italienischen Ausscheiden aus dem Krieg (September 43) wurde Südtirol deutscher Zivilverwaltung unterstellt. Trotz der italienischen Bundesgenossenschaft mit Hitler blieb Südtirol nach 1945 bei Italien und erst 1969 gelang nach langen, z. T. terroristischen Kämpfen eine Lösung des Konflikts durch erweiterte Autonomierechte für Südtirol.