Saargebiet

    Aus Lexikon Drittes Reich

    durch den Versailler Vertrag im so genannten Saarstatut aus fünf preußischen und zwei bayerischen Landkreisen gebildeter Bezirk von fast 2 000 km2 (heutiges Saarland: 2 567 km2) mit 800 000 Einwohnern. Zwar war der französische Plan einer Annexion des Saargebiets an britischem und amerikanischem Widerstand gescheitert, doch wurde es der deutschen Souveränität entzogen und zur wirtschaftlichen Ausbeutung für erlittene Kriegsschäden Frankreich überlassen; die staatlichen Hoheitsrechte nahm eine Völkerbundskommission unter dem Franzosen V. Rault wahr. Nach 15 Jahren sollte eine Volksabstimmung über das weitere politische Schicksal des Saargebiets entscheiden. Die de facto französische Herrschaft – das Saargebiet gehörte zum französischen Zollsystem, der Franc war einziges Zahlungsmittel u. a. – und der Druck der Französisierung ließen das Saarstatut nie populär werden, zumal die deutschen Parteien im 1922 geschaffenen Landesrat keine Mitwirkungsrechte erhielten. Deutsche Bemühungen, u. a. Stresemanns, um eine vorzeitige Rückgabe des Saargebiets scheiterten 1929/30.

    Die politische Landschaft im katholischen Saargebiet unterschied sich bis zur Machtergreifung erheblich von der im Deutschen Reich. Unangefochtener Meinungsführer war das Zentrum, das bei den Landesratswahlen im März 32 auf 43,2 % vor der KPD mit 23,1 % kam, während die SPD nur 9,6 und die NSDAP, im Reich bald stärkste Partei, nur 6,7 % erreichten. Der Umschwung in Deutschland wandelte das Bild rasch, da die führenden Politiker, u. a. der Großindustrielle Röchling, Unterstützung bei Hitler suchten und auch Zusagen erhielten unter der Bedingung, dass sich nach deutschem Muster alle "nationalen Kräfte" zur Vorbereitung der am 13. 1. 35 anstehenden Volksabstimmung zusammenschlössen. Das geschah nach v. a. im Zentrum erheblichen parteiinternen Kämpfen bis Herbst 33 in der Deutschen Front, die nun finanziell und propagandistisch massiv gefördert wurde. Der politische Kampf lief dabei nach dem Vorbild in der Endphase der Weimarer Republik ab: Nationalsozialisten besetzten Schlüsselstellungen in Partei und Wirtschaft, ein SA-ähnlicher Ordnungsdienst schüchterte Gegner ein, Firmen setzten ihre Belegschaften unter Druck für die Deutsche Front, um nach einem Anschluss ans Reich Nachteilen vorzubeugen u. a.

    Auf nennenswerte Gegenwehr stießen die Anschlussbefürworter ohnehin nicht: Bei einer Arbeitslosigkeit von 24,4 % im Dezember 34 hatten ihre Gegner der Sogwirkung des deutschen Wirtschaftsaufschwungs wenig entgegenzusetzen. Zudem blieb den Gegnern, die sich im Sommer 34 zu spät in einer Einheitsfront von SPD und KPD zusammenfanden, nur die unpopuläre Alternative, die Beibehaltung des Status quo zu propagieren und sich damit zudem in Gegensatz zur katholischen Kirche zu setzen, die die nationalistische Parole ausgab: "Wer seinem Vaterland die Treue bricht, hält sie auch unserem Herrgott nicht." Die Appelle zahlreicher prominenter deutscher Emigranten wie H. Mann, Brecht, Feuchtwanger, Seghers, Kerr u. v. a. blieben ebenso wirkungslos wie die Hinweise auf die nationalsozialistische Gewaltherrschaft mit ihren KZ. Die Deutsche Front erhielt am 13. 1. 35 über 90 % der Stimmen, 8,8 % waren für den Status quo, nur 0,4 % für den Anschluss an Frankreich. Am 1. 3. 35 wurde im Beisein Hitlers, der seinen ersten außenpolitischen Triumph feierte, das Saargebiet "heim ins Reich" geholt. Es bildete fortan zusammen mit der Pfalz den Gau Saarpfalz, der ab 7. 12. 40 "Westmark" hieß.