Schmutz- und Schundgesetz

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Bezeichnung für das am 18. 12. 26 erlassene "Gesetz zur Bewahrung der Jugend vor Schmutz- und Schundschriften", das Kinder und Jugendliche vor einer nicht näher bestimmten "Schundliteratur" schützen sollte. Schon zuvor hatten bürgerlich-konservative Kreise Organisationen für Antischundaktivitäten gegründet, die sich gegen Indianerheftchen wie erotische Literatur wandten, zugleich aber patriotisches Schrifttum förderten, das formal nicht anders gestaltet war. Die nach dem Schmutz- und Schundgesetz eingerichteten Prüfstellen wirkten darauf hin, dass besondere Titel, die sexuelle Darstellungen enthielten, in der "Liste der Schund- und Schmutzschriften" erfasst wurden und damit strengen Vertriebsbeschränkungen unterlagen. Der von nationalen Kreisen mit dem Vorwurf geführte Kampf, dass die Schundliteratur die "Wehrertüchtigung" behindere, richtete sich vielfach auch gegen politisch unliebsame, sozialkritische oder sozialistische Dichtung. Nach 1933 wurden durch die Gleichschaltung des Buchmarkts, durch Zensur- und Kontrollinstanzen besondere Formen und Organisationen des literarischen Jugendschutzes überflüssig, so dass das Schmutz- und Schundgesetz am 10. 4. 35 aufgehoben wurde.