Schweden

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Königreich in Skandinavien mit 448 439 km2 und rund 6,1 Millionen Einwohnern (1930). Schweden schaffte in der Zwischenkriegszeit unter überwiegend sozialdemokratischer Regierung oder Regierungsbeteiligungen den Durchbruch zum Sozialstaat und zur führenden Industrienation Skandinaviens und, aus den bitteren Erfahrungen des Ersten Weltkriegs, ein hohes Maß von Eigenversorgung. Im Schnittpunkt konkurrierender Großmachtinteressen bei einer sowohl nach Großbritannien als auch nach Deutschland ausgerichteten Außenhandels- und Kapitalverflechtung konnte Schweden nach Kriegsausbruch 1939 mit geschickter Hinhaltetaktik seine stets bedrohte Neutralität gegenüber nationalsozialistischen Machtansprüchen ebenso behaupten wie gegenüber alliierten Handelskriegs- und Blockadedrohungen. In einem deutsch beherrschten, blockadesicheren "Ergänzungs- und Großwirtschaftsraum Nordeuropa" mit dem Ziel der kontinentalen Autarkie war der schwedischen Wirtschaft eine wehrwirtschaftliche Schlüsselstellung zugewiesen als Lieferant von hochwertigen Eisenerzen (30 % des deutschen Kriegsbedarfs), Kugellagern, Maschinen, Holz, Lebensmitteln und Schiffen sowie als Kreditgeber gegen die deutsche Lieferung von Kriegsgerät, Kohle, Koks, Textilien, Eisen- und Elektroartikeln. Bis 1939 konnte Schweden die drohende einseitige Abhängigkeit durch Handelsverträge mit Großbritannien (1933) und den USA (1935) ausbalancieren und dann sogar während des Krieges unter britischer und deutscher Kontrolle einen genau begrenzten Außenhandel über Göteborg abwickeln.

    Nach der Besetzung Dänemarks und Norwegens und dem Kriegseintritt Finnlands an der deutschen Seite war angesichts der Umklammerung durch das Deutsche Reich und der Abschnürung vom Westen zwischen 1940 und 43 die Wahrung einer prekären neutralen Unabhängigkeit nur noch um den Preis reibungsloser Lieferungen für die deutsche Kriegswirtschaft, umfangreicher Warenkredite und der Transitgewährung für deutsche Militär- und Gütertransporte durch Nordschweden möglich. Erst nach der Kriegswende 1943 gelang es Schweden, sich schrittweise der politisch-kommerziellen deutschen Einschnürung zu entziehen und sich den Westmächten zuzuwenden, bis der Verkehr nach Deutschland um die Jahreswende 44/45 praktisch abbrach. Schweden wurde von 1943 an im Zuge der Durchsetzung der Endlösung auch in Dänemark zum Zufluchtsland vieler dänischer Juden.