Seekrieg

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Kampf der deutschen Kriegsmarine im Zweiten Weltkrieg gegen die Seestreitkräfte der Kriegsgegner Deutschlands, insbesondere die britische und die US-Flotte. Von allen Wehrmachtteilen war die Kriegsmarine im September 39 am wenigsten auf einen Krieg vorbereitet, schon gar nicht auf einen Konflikt mit der stärksten Seemacht, Großbritannien, die damals über zwölf Schlachtschiffe, drei Schlachtkreuzer, drei Monitore, sieben Flugzeugträger, 15 Schwere und 48 Leichte Kreuzer, 191 Zerstörer und 69 U-Boote verfügte. Dagegen konnte Deutschland nur zwei Schlachtschiffe, drei Panzerschiffe, einen Schweren und sechs Leichte Kreuzer, 21 Zerstörer, elf Torpedoboote und 57 U-Boote aufbieten. Bis zum 31. 12. 39 kamen noch hinzu ein Schwerer Kreuzer, ein Zerstörer, vier Torpedoboote und sechs U-Boote. Hauptaufgabe dieser Streitmacht im Seekrieg war die Bekämpfung der gegnerischen Versorgungswege, v. a. derjenigen Großbritanniens im Atlantik.

    Schon in der Krisenphase vor Ausbruch der Feindseligkeiten hatte die deutsche Seekriegsleitung 18 Hochsee-U-Boote und zwei Panzerschiffe in See geschickt. Bis Ende 39 versenkten und kaperten die U-Boote bei neun eigenen Verlusten 147 Handelsschiffe mit 509 321 BRT sowie einen Flugzeugträger und ein Schlachtschiff. Den Panzerschiffen, von denen eines zur Selbstversenkung gezwungen war ("Admiral Graf Spee", 17. 12. 39), fielen elf Schiffe zum Opfer. Das Jahr 1940 brachte der deutschen Kriegsmarine im Norwegenfeldzug schwere Schiffsverluste, Torpedoversager machten den U-Booten zu schaffen, die insgesamt 481 Handelsschiffe mit 2 289 547 BRT versenkten. 22 Boote gingen verloren, 50 kamen neu in Dienst, dazu ein Schlachtschiff, ein Schwerer Kreuzer, drei Zerstörer und acht Torpedoboote. Die Schwäche der Marine trug dazu bei, dass Hitler seine Invasionspläne in England aufgab. 1940 operierten sieben deutsche Hilfskreuzer erfolgreich in Übersee, dazu ein Panzerschiff. Im Atlantik führten die beiden deutschen Schlachtschiffe wirksam Handelskrieg. Eine ähnliche Operation des Schlachtschiffs "Bismarck", das den britischen Schlachtkreuzer "Hood" versenkte, endete mit dem Verlust des neuen Schiffs (27. 5. 41). Die Versenkungszahlen der deutschen U-Boote blieben 1941 leicht unter dem Ergebnis von 1940, obwohl 199 neue Boote eingesetzt wurden. 35 gingen verloren, darunter im März 41 die der berühmten Kommandanten Prien, Schepke und Kretschmer.

    Der Eintritt der USA in den Krieg, der nach Pearl Harbor zum Weltkrieg wurde, befreite die deutsche U-Boot-Führung (Großadmiral Dönitz) von Einschränkungen im Handelskrieg, brachte aber zugleich die zweitgrößte See- und größte Industriemacht in den Seekrieg gegen Deutschland. Zunächst stiegen die deutschen U-Boot-Erfolge 1942 steil an (5 819 065 BRT), bei 75 eigenen Verlusten. 238 neue Boote kamen hinzu. Dennoch gelang nie die Unterbindung des anschwellenden Nachschubstroms für die UdSSR im Nordmeer und 1943 wurde dann klar, dass Deutschland den Tonnagekrieg nicht gewinnen konnte: Zwar büßten noch im März vier alliierte Atlantik-Konvois 20 % ihrer Schiffe ein, so dass sogar die Aufgabe des Konvoi-Systems erwogen wurde, und das trotz Einbruchs in den deutschen Funkverkehr ("Ultra"). Doch dann griffen die alliierten Gegenmaßnahmen und ließen im Mai 43 die deutschen Verluste auf 41 Boote hochschnellen. Am 24. 5. brach daher Dönitz, seit 31. 1. 43 auch Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, die Atlantikschlacht ab. Insgesamt versenkten die deutschen U-Boote 1943 noch 2 395 532 BRT bei 239 Verlusten und 283 neu in Dienst gestellten Booten.

    Verbesserte Abwehr und der alliierte Funkbeobachtungsdienst sorgten auch 1944 dafür, dass die deutschen U-Boote nicht an die früheren Erfolge anknüpfen konnten. Nur 701 906 BRT konnten sie noch versenken, 237 Boote blieben auf See, 230 kamen neu in Dienst. Die Kriegsmarine verlor in diesem Jahr mit der "Tirpitz" ihr letztes Schlachtschiff, dazu sieben Zerstörer, 16 Torpedoboote und 57 Schnellboote, davon die meisten im Invasions-Raum. Auch 1945 blieben die U-Boot-Erfolge gering (334 681 BRT), die neuen Boote vom Typ XXI, die mit ihrer großen Unterwassergeschwindigkeit der alliierten Schifffahrt hätten gefährlich werden können, kamen zu spät. In der letzten Kriegsphase fasste die Marine alle verbliebenen Kräfte zur Rettung der ostdeutschen Bevölkerung vor der Roten Armee zusammen. Über 2,5 Millionen Menschen brachte sie nach Westen in Sicherheit, unter schweren Verlusten (14 000 Tote), für die das Schicksal der "Wilhelm Gustloff" steht.