Seele

    Aus Lexikon Drittes Reich

    im griechischen Denken das dem menschlichen Organismus innewohnende Lebensprinzip, von den Stoikern als Ausfluss der stofflichen Weltseele gedeutet, von Aristoteles als Teil der unsterblichen Vernunft bezeichnet, die sich im Stoff (Leib) verwirklicht. Im christlichen Denken stellt die Seele die von Gott geschaffene geistige Wesensform des Menschen dar, die seine im Leib unabhängige, unverwechselbare Individualität bestimmt. In der nationalsozialistischen Ideologie erscheint die Seele als Abglanz rassischer Eigenschaften und wird weitgehend mit "Lebenskraft" gleichgesetzt, wodurch der im Christentum unaufgelöste Widerspruch zwischen Leib und Seele im materialistischen Sinne aufgehoben und zugleich der Rassebegriff pseudoreligiös überhöht wird: "Seele bedeutet Rasse von innen gesehen, und umgekehrt ist Rasse die Außenseite der Seele" (Rosenberg). Die dem Nationalsozialismus eigentümliche Neigung, seiner rassistischen Weltanschauung eine mystische, gemütvolle Ästhetik zu verleihen, wird auch in Wortschöpfungen wie "Seelenstil" (Rassenkultur) und "Seelentum" (Rassencharakter) deutlich.