Sektenverfolgung

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Gesamtheit der Maßnahmen gegen die kleinen Religionsgemeinschaften im Dritten Reich, die im Gegensatz zu den beiden großen Kirchen keine Körperschaften öffentlichen Rechts waren. Die Sektenverfolgung nahm daher z. T. erheblich dramatischere Formen an als der Kirchenkampf. Zwar standen die Sekten nach Artikel 137 der Weimarer Verfassung unter dem Schutz der Religionsfreiheit und konnten sich auf die im NSDAP-Programm geforderte Glaubensfreiheit berufen, doch hatten sie sonst keine über die Bestimmungen des Bürgerlichen Rechts hinausgehenden Beziehungen zum Staat, mussten ihre Beiträge selbst erheben und konnten zusätzliche Einnahmen nur durch Spenden ausländischer Mitglieder oder den Verkauf von Druckschriften erzielen. Hier setzten Behinderungen an, da v. a. die internationale Verflechtung vieler Gruppen den Argwohn der nationalsozialistischen Behörden weckte. Durch Devisenbeschränkungen und vereinsrechtliche Restriktionen wurden die wirtschaftlichen Grundlagen unterminiert und die Missionstätigkeit erheblich behindert.

    Einen Schritt weiter in der Sektenverfolgung ging der Staat, wenn eine Religionsgemeinschaft die geforderte Loyalität vermissen ließ. Nach der "Verordnung des Reichspräsidenten zur Erhaltung des inneren Friedens" vom 19. 12. 32 (RGBl. I, S. 548) und der Reichstagsbrandverordnung wurde sie zur verbotenen Organisation erklärt, ihr Vermögen konfisziert und ihre Presse unterdrückt. Mitglieder, die sich weiterhin für ihre Gemeinschaft betätigten, wurden in Schutzhaft genommen. Musterbeispiel für ihren Leidensweg war das Schicksal der Ernsten Bibelforscher (Zeugen Jehovas). Aber auch andere Sekten traf die volle Wucht der Sektenverfolgung. Dennoch bestanden einige Gruppierungen bis Kriegsende, weil sie durch Verwaltungsschikanen praktisch blockiert waren und sich ein Verbot erübrigte, wie im Falle der Quäker, oder weil die "Erhaltung harmloser Sekten" der erwünschten "Zersplitterung im kirchlich-religiösen Gebiet" dienlich schien. Auch völkische Gruppen wie die Deutsche Glaubensbewegung fielen der Sektenverfolgung anheim.