Sicherheitsdienst

    Aus Lexikon Drittes Reich

    des Reichsführers-SS (SD), 1931 zunächst unter der Bezeichnung "Ic-Dienst" gegründetes und Heydrich unterstelltes Nachrichten- und Überwachungsorgan, das schon zwei Jahre später das ganze Reichsgebiet umspannte. Es wurden dazu SD-Abschnitte und -Oberabschnitte (später: Leitabschnitte) parallel zu denen der Allgemeinen SS eingerichtet. Ab 1934 war der SD nach Übernahme konkurrierender Dienststellen (u. a. des Außenpolitischen Amts) der einzige Abwehr- und Nachrichtendienst der nationalsozialistischen Bewegung. Obwohl er während der folgenden Jahre auch staatliche Kontrollfunktionen übernahm, blieb er de jure stets ein Organ der Partei und als solches beim Reichsschatzmeister der NSDAP etatisiert.

    Sein Idealziel, die Gesamtbevölkerung des Reichs einer totalen Überwachung zu unterwerfen, konnte angesichts der Machtstrukturen des Regimes freilich auch der SD nicht erreichen. So war ihm z. B. offiziell jede Beschäftigung mit parteiinternen Vorgängen untersagt. Auch geriet er auf politisch-polizeilichem Gebiet schon früh den Aufgaben staatlicher Exekutivorgane (Gestapo, Kripo bzw. Sipo) ins Gehege, was 1937 zu stärkerer Abgrenzung der Arbeitsbereiche führte. Danach oblagen dem SD im Vorfeld polizeilicher Exekutivmaßnahmen v. a. die Beobachtung der Gegner des Nationalsozialismus, die Berichterstattung über die Stimmungslage der reichsdeutschen Bevölkerung ("Meldungen aus dem Reich"), die Beurteilung der politischen Zuverlässigkeit einzelner "Volksgenossen" sowie die Sammlung relevanter Auslandsnachrichten. Im Rahmen der letzteren Aufgabe nahm der SD durch Kontakte zu ausländischen Sympathisanten und volksdeutschen Minderheiten, aber auch durch die Planung von Sabotageakten (u. a. auf den Sender Gleiwitz) schon vor dem Krieg Einfluss auch auf die deutsche Außen- und Volkstumspolitik. Im Februar 44 wurde ihm zudem die Abwehr unterstellt.

    Die enge fachliche Abhängigkeit und personelle Verfilzung zwischen SD und Sipo führte am 27. 9. 39 zur Zusammenfassung beider Institutionen im Reichssicherheitshauptamt. Damit geriet der SD noch stärker als bisher in den Funktionsbereich der Sipo, die ihrerseits zunehmend zu einem jenseits von Partei und Staat agierenden Instrument der unmittelbaren Führergewalt Hitlers wurde. Besonders deutlich zeigte sich dies in der Rolle der in den besetzten Gebieten eingesetzten "Befehlshaber der Sipo und des SD" sowie in den Mordaktionen der Einsatzgruppen, deren Führer vielfach höhere SD-Funktionäre waren.