Sippenhaft(ung)

    Aus Lexikon Drittes Reich

    meist straf-, aber auch vermögensrechtliche Haftbarmachung der Angehörigen einer Person für Delikte, die dieser zur Last gelegt werden. Die Sippenhaft wurde im Dritten Reich als Terrormaßnahme gegen Angehörige politischer Gegner praktiziert. Sie diente als Druckmittel und zur Abschreckung. Nach dem gescheiterten Staatsstreich des Zwanzigsten Juli 44 wurden Frauen und Kinder der mutmaßlichen Beteiligten, mitunter auch Enkel, Eltern sowie Geschwister und deren Familien in Gefängnissen und Lagern inhaftiert. Sippenhaft verhängt wurde auch gegen Familien von Offizieren, die als "Landesverräter" bestraft wurden, weil sie Rückzugsbefehle erteilt hatten, oder von Personen, die Zweifel am "Endsieg" äußerten. Am 5. 2. 45 verfügte das OKW: "Für Wehrmachtsangehörige, die in der Kriegsgefangenschaft Landesverrat begehen und deswegen zum Tode verurteilt werden, haftet die Sippe mit Vermögen, Freiheit oder Leben." Mit dieser Maßnahme hoffte man, die Zusammenarbeit deutscher Gefangener mit den Gewahrsamsmächten einzudämmen.