Sobibór

    Aus Lexikon Drittes Reich

    kleinstes Vernichtungslager der Aktion Reinhard im Rahmen der "Endlösung der Judenfrage". Für die Errichtung von Sobibór wurde ein Waldgelände in einer dünn besiedelten Gegend an der östlichen Grenze des Distrikts Lublin gewählt. Die Leitung des Baus wurde im März 42 zunächst SS-Obersturmführer Richard Thomalla (für tot erklärt) übertragen, der Anfang April von dem gleichzeitig zum Lagerkommandanten ernannten SS-Obersturmführer Stangl abgelöst wurde. Stangl informierte sich zunächst in Belzec, das bereits mit der Vernichtungstätigkeit begonnen hatte, über Lager und Lagerbetrieb und forcierte dann die Fertigstellung von Sobibór. Nach Abschluss der wesentlichen Bauarbeiten fand in der Vergasungsanstalt, die aus drei Kammern mit einer Aufnahmekapazität von je 150-200 Menschen bestand, in Anwesenheit des Belzec-Kommandanten Wirth eine "Probevergasung" von 30 bis 40 jüdischen Frauen statt. Sie wurden mit Auspuffgasen eines Panzer- oder Kfz-Motors getötet, die in die Gaskammern geleitet wurden.

    Im Mai 42 begann man mit der Massenvernichtung. Nach der Entladung auf dem Bahnhof Sobibór wurden die Juden in das Lager geführt, mit einer Ansprache beruhigt und aufgefordert, sich zum Baden auszuziehen sowie die Wertsachen abzugeben. Gruppenweise trieb man sie dann in die Gaskammern, die sich in einem nicht einsehbaren Teil des Lagers befanden. Nach der Vergasung wurden die Leichen von einem jüdischen Arbeitskommando, das von der Vernichtung zeitweise zurückgestellt worden war, in Massengräber geschafft. Als im Juli 42 Transportschwierigkeiten eintraten, nutzte man die Gelegenheit, um die Aufnahmekapazität der Vergasungsanstalt zu erweitern. Von August 42 an übernahm SS-Hauptsturmführer Franz Reichleitner (3. 1. 44 bei einem Einsatz gegen Partisanen gefallen) die Leitung des Lagers; Stangl wurde nach Treblinka versetzt.

    Im Herbst 42 begann die SS, die Spuren des Massenmords zu verwischen. Die Leichen der Opfer wurden exhumiert und auf Rosten in einer Grube verbrannt. Neu anfallende Leichen brachte das Leichenkommando von den Gaskammern direkt zu der Verbrennungsstätte. Im Juli 43 befahl Himmler, Sobibór in ein KZ umzuwandeln, in dem Beutemunition gelagert und verarbeitet werden sollte. Während des Baus von Munitionslagern lief die Vernichtung in kleinerem Umfang weiter. Am 14. 10. 43 erhoben sich die jüdischen Häftlinge gegen die SS. Eine unbestimmte Anzahl von Juden konnte entfliehen; die zurückgebliebenen Häftlinge wurden erschossen; das Lager wurde aufgelöst.

    In Sobibór wurden außer den Bewohnern der Gettos des Generalgouvernements auch Juden aus dem Reich (Österreich), dem Protektorat, der Slowakei, Holland und Frankreich getötet. Die genaue Anzahl der Opfer ist nicht mehr festzustellen. Aus dokumentarischem Material ergibt sich, dass in Sobibór mindestens 150 000 jüdische Menschen getötet wurden. Nach polnischen Angaben, die auf Aussagen polnischer Eisenbahnbeamter über Anzahl der Transporte in das Lager beruhten, sind in Sobibór etwa 250 000 Opfer zu beklagen, wobei die Personen nicht berücksichtigt wurden, die zu Fuß, mit Pferdefuhrwerken oder Lkw dem Lager zur Vernichtung zugeführt wurden.