Sonderbehandlung

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Tarnbezeichnung der nationalsozialistischen Machthaber für die physische Vernichtung von Menschen. Der Begriff wurde vermutlich durch ein Fernschreiben Heydrichs an alle Stapoleit- und Stapostellen vom 20. 9. 39 eingeführt betreffend die "Grundsätze der inneren Sicherheit während des Krieges", nach denen "zur Beseitigung von Mißverständnissen" zwischen Fällen zu unterscheiden war, "die auf dem bisher üblichen Wege erledigt werden können und solchen, die einer Sonderbehandlung zugeführt werden müssen", d. h. Fälle, die "hinsichtlich ihrer Verwerflichkeit, ihrer Gefährlichkeit oder ihrer Propagandistischen Auswertung geeignet sind, ohne Ansehen der Person durch rücksichtsloses Vorgehen (nämlich durch Exekution) ausgemerzt zu werden ... "

    Die Tarnbezeichnung wurde in den folgenden Jahren insbesondere in zahlreichen Erlassen des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD, Verfügungen, Befehlen und Meldungen der diesem unterstellten Dienststellen sowie Einheiten verwendet. Im Laufe der Zeit scheint die Bedeutung des Wortes so bekannt geworden zu sein, dass man dazu überging, andere Verschlüsselungen zu wählen. Ungefähr ab Herbst 41 wurden z. B. für die Vorbereitung und Durchführung der Massenmorde an Juden u. a. die Worte "Umsiedlung" und "Aussiedlung" eingesetzt. Schließlich untersagte Himmler, dass von Sonderbehandlung (der Juden) gesprochen wurde, und ordnete an, den Begriff durch andere zu ersetzen (Schreiben des Persönlichen Stabs RFSS an dessen Inspekteur für Statistik vom 10. 4. 43). Tatsächlich blieb das Wort Sonderbehandlung jedoch weiterhin Bestandteil der spezifisch nationalsozialistischen Sprache.