Sondergerichte

    Aus Lexikon Drittes Reich

    1933 als Spezialstrafkammern zur Ausschaltung politischer Gegner errichtet, im Krieg das typisch werdende Strafgericht des nationalsozialistischen Staats. Ihre Anzahl stieg von anfänglich 26 bis Ende 42 auf 74. War die Zuständigkeit zunächst auf einzelne politische Verbrechen begrenzt, lag es ab 1938 im Ermessen der Anklagebehörde, ob eine Tat, trotz Zuständigkeit des Amts- oder Landgerichts, hier angeklagt wurde. Von 1940 an ausschließlich für Kriegssonderstrafrecht und Straftaten im Sinne des Heimtückegesetzes zuständig. Schnelles Verfahren mit standgerichtlichem Charakter: kein gerichtliches Vorverfahren, kurze Ladungsfrist. Zunehmende Schwächung der Verteidigung bei gleichzeitiger Stärkung der Anklagebehörde; ab 1940 sofortige Verurteilung (häufig zum Tod) möglich. Die Urteile wurden mit Verkündung rechtskräftig und z. T. umgehend vollstreckt. Herkömmliche Rechtsmittel waren nicht zulässig. Urteile der Sondergerichte konnten nur durch das Reichsgericht nach Einlegung des außerordentlichen Einspruchs oder Nichtigkeitsbeschwerde aufgehoben werden.