Sozialdemokratische Partei Deutschlands

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (SPD), 1875 durch Vereinigung des 1863 gegründeten Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins und der 1869 gegründeten Sozialdemokratischen Arbeiterpartei zur Sozialistischen Arbeiterpartei entstandene politische Partei, die sich seit 1890 SPD nennt. Die SPD war Mitbegründerin der Weimarer Republik; sie stellte 1919-25 mit Ebert den Reichspräsidenten und mit Scheidemann (1919), G. Bauer (1919/20) und H. Müller (1920 und 1928-30) viermal den Reichskanzler, meist in einer Weimarer Koalition. Bei den Wahlen zur verfassunggebenden Nationalversammlung 1919 erhielt die SPD 37,9 % der Stimmen; zwar erreichte sie diesen Anteil bei den Reichstagswahlen 1920 (21,7 %), Mai 24 (20,4 %), Dezember 24 (26,0 %) und 1928 (29,8 %) nicht mehr, blieb aber bis 1932 die an Wählern wie an Mitgliedern (1931 über eine Million) stärkste deutsche Partei. Der Bruch der von H. Müller geführten Regierung der Großen Koalition am 27. 3. 30, der letzten parlamentarischen Reichsregierung von Weimar, markiert den Beginn der Krise der Republik. 1930-32 verlor die SPD bei den Reichstagswahlen erheblich an Stimmen (1930: 24,5 %, Juli 32: 21,6 %, November 32: 20,4 %) v. a. an die KPD. Weder durch die Tolerierung der Regierung Brüning (1930-32) noch durch die Bildung der Eisernen Front (1931), noch durch die entschiedene Opposition gegen die Regierung Papen und Schleicher (1932/33) konnte die SPD die Machtergreifung der NSDAP verhindern. Wie die widerstandslose Hinnahme der Absetzung der preußischen Regierung Braun durch Papen im Juli 32 (Preußenschlag) zeigte, nahm sie diese vielmehr passiv hin und blieb auch nach Hitlers Amtsantritt zunächst auf ihrem Kurs einer strikt legalen (und damit wirkungslosen) Opposition. Immerhin stimmte die SPD, die trotz des nationalsozialistischen Wahlterrors (u. a. am 28. 2. Verbot ihres Parteiorgans "Vorwärts") bei den Reichstagswahlen vom 5. 3. noch 18,3 % der Stimmen und 120 Sitze erhalten hatte, am 23. 3. 33 als einzige Fraktion geschlossen gegen das Ermächtigungsgesetz, was Wels (seit 1919 einer der Parteivorsitzenden) in einer mutigen Rede begründete.

    Am 22. 6. 33 wurde die SPD verboten. Schon vorher, am 4. 5., hatte der am 27. 4. neu gewählte Parteivorstand im Saarland eine "Auslandsvertretung" eingerichtet, die Ende Mai ihren Sitz nach Prag verlegte und sich dort als Vorstand der Exil-SPD ("Sopade") neu konstituierte (Mitglieder u. a. Wels, Ollenhauer, Stampfer). 1938-40 amtierte dieser in Paris, 1940-45 in London. Dort schlossen sich ein Teil der Sozialdemokraten mit der (1931 von der SPD abgespaltenen) Sozialistischen Arbeiterpartei, der Gruppe Neu-beginnen und anderen nichtkommunistischen sozialistischen Organisationen im März 41 zur Union deutscher sozialistischer Organisationen in Großbritannien zusammen. Bemühungen der KPD zur Bildung einer Einheitsfront hatte der SPD-Vorstand bereits 1935/36 abgelehnt. In Deutschland selbst kam die v. a. von aus der Arbeiterjugend stammenden Gruppen getragene sozialdemokratische Widerstandsbewegung unter dem Terror der Gestapo um 1936 weitgehend zum Erliegen; sie nahm erst im Zweiten Weltkrieg einen neuen Aufschwung: Sozialdemokraten wie Leuschner, Maass, Reichwein, Mierendorff, Haubach und Leber gehörten zum Widerstandskreis des Zwanzigsten Juli 44.

    Nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur entstand die SPD auf lokaler und regionaler Ebene bereits im Sommer und Herbst 45 neu. In der Sowjetzone wurde sie am 21. 4. 46 mit der KPD zwangsweise zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) vereinigt; die SPD in den westlichen Besatzungszonen wählte auf ihrem ersten Parteitag am 9. 5. 46 in Hannover Schumacher zu ihrem Vorsitzenden.