Sport

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Hauptfach der nationalsozialistischen Erziehung, bei der es, so Hitler in "Mein Kampf", "in erster Linie ... auf das Heranzüchten kerngesunder Körper" ankomme. Wegen der englischen Herkunft des Worts und seiner ursprünglichen Bedeutung (disport = Vergnügen) wurde allerdings der Begriff Leibesübungen bevorzugt.

    Die nationalsozialistischen Sportorganisatoren und -ideologen bauten auf langen Traditionen auf und konnten sie oft mit nur leichten Retuschen in Dienst nehmen. Wie die völkischen und bürgerlichen Sportpädagogen der Republik beriefen sie sich auf Turnvater Jahn und sein Konzept der Wehrhaftmachung, das nach der Niederlage von 1918 eine Renaissance erlebte. Dazu hatten die wehrpolitischen Restriktionen des Versailler Vertrags ebenso beigetragen wie das sich rasch verklärende Fronterlebnis. Die kriegerische Terminologie im Sportbetrieb der Republik nahm nationalsozialistische Sprachregelungen vorweg: Das 1922 gegründete Reichssportfest hieß Deutsche Kampfspiele, 1932 rief der Reichspräsident ein Reichskuratorium für Jugendertüchtigung ins Leben. Nur die Arbeitersportbewegung (1933 ca. 1,3 Millionen Mitglieder) verschloss sich der wehrpolitischen Einbindung. Sie wurde im Frühjahr 33 daher auch erstes Opfer der Gleichschaltung des deutschen Sports durch Reichssportkommissar H. v. Tschammer und Osten. Die Arbeitersportvereine und -organisationen wurden verboten, ihre Sportstätten geschlossen oder beschlagnahmt, ihr Eigentum konfisziert. Auch die bürgerlichen Sportorganisationen sollten dem politisch-ideologischen Konzept der neuen Machthaber verpflichtet werden. Ihrer Tradition entsprechend kamen sie dem Reichssportkommissar dabei weit entgegen. Noch ehe v. Tschammer die Neuordnung des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen (DRA) einleitete, hatte ein Prozess der Selbstauflösung eingesetzt. Die führenden Repräsentanten des DRA unterstützten die auf zentralistische Führung zielende Umgestaltung der Verbands- und Organisationsstruktur des deutschen Sports.


    Fehlte im Lager des bürgerlichen Sports der Widerstandswille, so mangelte es bei den konfessionellen Sportorganisationen an Widerstandskraft. Das evangelische Eichenkreuz wurde von der eigenen Kirchenführung an die HJ verhandelt, der katholischen Deutschen Jugendkraft nutzte der Konkordatsschutz wenig gegen die Politik der Schikanen. Katholischer wie evangelischer Sportbetrieb endete mit dem Verbot jeder sportlichen Betätigung am 23. 7. 35. Die jüdischen Sportvereine (Makkabi, Schild) erlebten dagegen paradoxerweise zunächst eine "Blüte", da jüdische Sportler aufgrund des Arierparagraphen aus deutschen Vereinen ausgeschlossen wurden. Mit Rücksicht auf das Ausland warteten die Nationalsozialisten bis nach den Olympischen Spielen 1936 mit der Eliminierung des jüdischen Sports.

    Die Neuorganisation des deutschen Sports im nationalsozialistischen Staat lief in zwei Phasen ab: In der ersten wurde unter dem Vorsitz v. Tschammers der Reichsführerring konstituiert (24. 5. 33), dem die 16 Vertreter der Fachverbände angehörten. Alle Verbände hatten ihre Geschäftsstelle nach Berlin zu verlegen. Gleichzeitig verteilte man, entsprechend der neuen politischen Gliederung des Reiches, die Vereine auf 16 Gaue, die sich wiederum in Bezirke und Kreise unterteilten. Am 30. 1. 34 wurde unter Vorsitz v. Tschammers (inzwischen zum Reichssportführer ernannt) der Deutsche Reichsbund für Leibesübungen (DRL) gegründet, eine Dachorganisation von 25 Fachämtern, die im Wesentlichen den alten Fachverbänden entsprachen. Neue Macht- und Organisationszentrale wurde das Reichssportamt in Berlin.


    In der zweiten Phase der Neuordnung versuchte v. Tschammer nach den Olympischen Spielen – hier schien aus politischen Gründen ein Abwarten geboten –, den Sport stärker an die Partei zu binden. Dazu wurde als Erstes am 21. 12. 36 eine Koordinierungsstelle im Reichsinnenministerium geschaffen, der v. Tschammer als Abteilungsleiter vorstand. Schließlich folgte Ende 1938 die Gründung des Nationalsozialistischen Reichsbunds für Leibesübungen (NSRL), eine von der Partei betreute Organisation. Der Prozess fand seinen Abschluss, als deren Reichssportführer 1939 als "Beauftragter für die Leibesübungen in der NSDAP" in den Stab des Stellvertreters des Führers berufen wurde. Der freie, ehemals selbstverwaltete Sport war damit gleichgeschaltet.

    Er war nun völlig der ideologischen Ausrichtung auf die Prinzipien von Rasse, Führertum und Wehrhaftigkeit verfügbar. Dietwarte sorgten für politische Schulung in den Vereinen und für Vermittlung des Leitbilds vom "politischen Soldaten", wie es in den Sporteinrichtungen von HJ, SA, SS, NSKK und NSFK gepflegt wurde. Kernsätze aus Hitlers "Mein Kampf" bildeten die ideologische Basis für ein System körperlicher Erziehung, das den politischen Zielen des Regimes zu dienen und auf den "Ernstfall" vorzubereiten hatte: "Die höchste körperliche Fertigkeit ist ja gerade für den Einsatz im Ernstfall verwirklicht worden" (v. Tschammer). Auch zur inneren Ausrichtung auf diesen Ernstfall diente der Sport, der in Schulen, Vereinen und Parteigliederungen zunehmend Wehrsport wurde. Man nutzte die Erfolge der deutschen Sportler als nationalistisches Stimulans, der Sport wurde im Krieg verherrlicht als "Werkstatt des Sieges". Der Krieg endete mit der Zerstörung von über 40 % aller Sportanlagen und mit der "völligen Zerstörung der moralischen Substanz des Sports" (Willi Daume).