Ständestaat

    Aus Lexikon Drittes Reich

    gesellschaftliche Organisationsform, in der die tragenden Säulen die (Berufs-) Stände sind. Im christlichen Mittelalter entstanden, erhielt die Ständestaat-Konzeption durch die katholische Soziallehre des 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts neue Impulse als Modell für die Überwindung des Klassenkampfs. Es findet sich säkularisiert in der universalistischen Staatslehre von O. Spann und beeinflusste mit antimarxistischen und antidemokratischen Thesen den Austrofaschismus und die ihn tragenden Heimwehren. Sie wiederum brachten die Grundgedanken in die Diskussion um eine österreichische Verfassungsreform ein, die schließlich Dollfuß mit der "Maiverfassung" (1. 5. 34) realisierte: Ausschaltung des Parlaments, Aufhebung der Grundrechte, Ende der Gewaltenteilung, Einparteienstaat (Vaterländische Front). Im engeren Sinne versteht man daher unter Ständestaat die österreichische Staatsform 1934-38, obwohl eine funktionierende ständische Organisation nie gelang. Nur zwei "Vollstände" (Land- und Forstwirtschaft, Öffentlicher Dienst) konstituierten sich und wurden nach dem Anschluss (13. 3. 38) ebenso liquidiert wie die Dollfuß-Verfassung. Der Nationalsozialismus nämlich verwarf den Ständestaat als "konservative Verfallserscheinung", die dem Prinzip der Volksgemeinschaft zuwiderlaufe.