Stahlpakt

    Aus Lexikon Drittes Reich

    von Mussolini zur Kennzeichnung der "ehernen" Solidarität geprägte Bezeichnung für den zwischen Ribbentrop und Ciano am 22. 5. 39 in Berlin auf zehn Jahre geschlossenen deutsch-italienischen Vertrag. Der Stahlpakt sah die Anerkennung der gemeinsamen Grenze (deutscher Verzicht auf Südtirol), eine Konsultationspflicht (Artikel I), die gegenseitige politische und militärische Unterstützung bei Bedrohung von außen (Artikel II), die uneingeschränkte und unbedingte militärische Hilfeleistung bei "kriegerischen Verwicklungen mit einer anderen Macht oder mit anderen Mächten" (Artikel III), die Einrichtung von Kommissionen für die militärische und kriegswirtschaftliche Zusammenarbeit (Artikel IV) sowie im Kriegsfall den Verzicht auf einseitigen Sonderfrieden (Artikel V) vor. Der Stahlpakt beruhte auf gegensätzlichen Motiven der Kontrahenten: Während Hitler ihn ohne Konsultation als Mittel zur politischen Vorbereitung des längst geplanten Polenfeldzugs (11. 4. 39 Weisung für den "Fall Weiß") und zur Abschreckung der Westmächte benutzen wollte, verband Mussolini mit ihm die Hoffnung, die Deutschen damit zumindest bis 1942/43 auf Frieden festlegen zu können. Die offenkundig bewusste Irreführung der Italiener auf deutscher Seite, die völlig unzureichende militärische und wehrwirtschaftliche Kriegsbereitschaft auf italienischer Seite gaben Mussolini bei Kriegsausbruch am 1. 9. 39 den begründeten Vorwand, den Stahlpakt zu ignorieren und eine Politik der "non belligeranza" zu proklamieren. Auch später im Krieg gewann der Stahlpakt kaum Bedeutung (keine Institutionalisierung der gemeinsamen Kriegführung) und wurde mit dem einseitigen Waffenstillstand der Italiener am 3. 9. 43 unter Verletzung von Artikel V schließlich gegenstandslos. Der Stahlpakt vermochte nur mühsam die tiefe Brüchigkeit der deutsch-italienischen Achsenfreundschaft zu verhüllen.