Standrecht

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Befugnis, während eines Ausnahme-, Kriegs- oder Belagerungszustands in einem abgekürzten gerichtlichen Verfahren durch Standgerichte zu entscheiden. Durch Verordnung vom 1. 11. 39 (RGBl I, S. 2 131) wurde die "Verordnung über das militärische Strafverfahren im Kriege und bei besonderem Einsatz" durch Einfügung des § 13a – Standgerichte – ergänzt. Unabhängig von der allgemeinen Militärgerichtsbarkeit konnte danach der nächsterreichbare Regimentskommandeur oder ein mit derselben Disziplinarstrafgewalt versehener Truppenbefehlshaber gerichtliche Befugnisse ausüben. Die Standgerichtsbarkeit durfte ausgeübt werden, wenn eine Aburteilung aus zwingenden militärischen Gründen einen Aufschub nicht duldete, ein Gerichtsherr auf der Stelle nicht erreichbar war, wenn Zeugen und andere Beweismittel sofort zur Verfügung standen. Die Notwendigkeit, den zuständigen Gerichtsherrn zu unterrichten, und dessen Recht zur Übernahme des Verfahrens blieben bestehen. Am 21. 6. 43 Bildung eines zentralen "Sonderstandgerichtes für die Wehrmacht" am Reichskriegsgericht, dessen Aufgabe die Aburteilung von politischen Straftaten in einem Schnellverfahren war; am 9. 3. 45 Errichtung eines "fliegenden Stabsgerichts" – "Sonderstandgericht des Führers" genannt – außerhalb der Organisation der Wehrmachtsjustiz. Über die Zahl der standgerichtlichen Verurteilungen gibt es keine verlässlichen Angaben. Das Genfer Abkommen vom 12. 8. 49 lässt standgerichtliche Verfahren nicht mehr zu.