Stennes-Revolten

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Protestaktionen der Berliner SA gegen die NSDAP 1930/31. Seit Ausbruch der Weltwirtschaftskrise strömte ein Heer von Arbeitslosen in die SA, die sich ihnen als soziales Auffangbecken und Kampforganisation gegen das Gesellschaftssystem anbot, das sie für ihre Notlage verantwortlich machten. Die NSDAP entwickelte sich gegenläufig: Hitler konnte ihr seinen Kurs der "legalen Machtergreifung" durch Koalitionsfähigkeit mit der bürgerlichen Rechten aufzwingen und im Sommer 30 den national-revolutionären Flügel um O. Strasser ausschließen. Diese Orientierung sowie die Verweigerung von Geldern und Reichstagsmandaten für die SA, die an ideologischer Radikalität und politischem Gewicht zunahm, führten zum Konflikt Hitlers mit dem Obersten SA-Führer (Osaf) Pfeffer, der in Berlin konkrete Formen annahm.


    Dort forderte die besonders radikale SA unter dem Osaf-Stellvertreter Ost, Walter Stennes (* 1895), Unabhängigkeit von Gauleiter Goebbels und Bezahlung ihrer Dienste. Im Vorfeld der aussichtsreichen Septemberwahlen trat sie in Wahlkampfstreik. Am 30. 8. 28 fiel sie sogar über die SS her und randalierte in der Gauleitung. Erst die von Goebbels gerufene Polizei trieb die SA zurück. Hitler gab vorläufig nach, um den politischen Durchbruch der NSDAP nicht zu gefährden, und bewilligte Stennes' Forderungen. Zugleich entließ er Pfeffer, der jetzt zwischen den Fronten stand, übernahm die Stelle des Osaf selbst und holte Röhm als Stabschef der SA zurück. Am 1. 4. 31 trat der latente Konflikt erneut in ein akutes Stadium, als Hitler auch Stennes entließ, der sich Röhms Führung widersetzte. Die August-Vorgänge wiederholten sich, wobei Stennes aus ganz Ostdeutschland Zustimmung und Unterstützung erhielt. Trotz Zuhilfenahme der Polizei dauerte es Wochen, bis sich die SA-Führung überall durchgesetzt hatte. Die ausgestoßenen "Stennesen" schlossen sich als "Unabhängige Nationalsozialistische Kampfbewegung Deutschlands" zusammen - ohne viel Erfolg, da die SA auch unter Röhm linker Flügel der nationalsozialistischen Bewegung blieb und das entsprechende revolutionäre Potential aufnahm.