Stresa

    Aus Lexikon Drittes Reich

    italienischer Kurort am Lago Maggiore mit rund 4 000 Einwohnern (1935). In Stresa konferierten vom 11.-14. 4. 35 die Regierungschefs Englands (MacDonald), Frankreichs (Flandin) und Italiens (Mussolini), um über gemeinsame Maßnahmen gegen den deutschen Revisionismus (Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht) und eine vermutete expansive Außenpolitik Hitlers (u. a. drohende Haltung gegen Österreich: 25. 7. 34 Mord an Dollfuß) zu beraten. In einer gemeinsamen Erklärung stellten sie ihr Bedauern über den einseitigen deutschen Aufrüstungsakt gerade während der laufenden Verhandlungen über eine Rüstungsbegrenzung und ihren Willen fest, "sich mit allen geeigneten Mitteln jeder einseitigen Aufkündigung von Verträgen zu widersetzen, durch die der Friede in Europa gefährdet werden könnte". Die beteiligten drei Mächte bekräftigten weiterhin ihre Entschlossenheit, für die Unabhängigkeit und territoriale Integrität Österreichs und eine Erfüllung ihrer Verpflichtungen aus dem Locarnopakt im Falle einer einseitigen Remilitarisierung des Rheinlands durch Deutschland einzutreten. Schließlich unterstrichen sie die Bemühungen um kollektive Sicherheit in Osteuropa, einen Luftpakt in Westeuropa und um internationale Abrüstung. Nahmen sich schon die angekündigten Schritte recht vage und unverbindlich aus, so löste sich die "Antirevisionsfront" von Stresa selbst bereits innerhalb kurzer Zeit durch den Alleingang Londons mit dem Deutsch-Britischen Flottenabkommen vom 18. 6. 35 und der damit vollzogenen Sanktionierung der deutschen Aufrüstung, durch den italienischen Überfall auf Abessinien Anfang Oktober 35 und britisch-französische Spannungen auf.