Stutthof

    Aus Lexikon Drittes Reich

    nationalsozialistisches KZ 36 km östlich von Danzig am Rande der Ortschaft Stutthof. Das Lager wurde im September 39 zunächst als Zivilgefangenenlager angelegt, von November 41 an als SS-Sonderlager weitergeführt und erst ab 13. 1. 42 als staatliches KZ übernommen. Die ursprünglich mit Stacheldraht eingezäunte Anlage ("altes Lager") wurde Anfang 43 durch das unmittelbar daneben errichtete "neue Lager" ergänzt, das mit einem Elektrozaun umgeben und für 25 000 Häftlinge bestimmt war, aber nicht mehr ganz fertig gestellt wurde. Wachmannschaft und Lagerpersonal stellte die SS.


    Anfang 42 war Stutthof mit rund 3 000 Häftlingen belegt. Ende Mai 44 betrug die Lagerstärke rund 8 000 Personen. Sie nahm seit Sommer 44 durch die ankommenden Transporte jüdischer Häftlinge (v. a. ungarischer Jüdinnen) schlagartig zu, so dass sie schließlich im Dezember 44/Januar 45 zusammen mit den über 100 Außenkommandos über 52 000 Häftlinge (davon über 33 000 Frauen) betrug. Insgesamt gingen über 100 000 Häftlinge durch Stutthof, bei denen es sich um die Angehörigen der verschiedensten europäischen Nationen handelte (Deutsche, Polen, Russen, Franzosen, Holländer, Belgier, Tschechen, Letten, Litauer, Dänen, Norweger sowie Sinti und Roma). Sie arbeiteten z. T. in SS-eigenen Betrieben wie z. B. den Deutschen Ausrüstungswerken (DAW), die neben dem Lager erstellt worden waren, in Ziegeleien der Umgebung, in privaten Betrieben der Industrie und der Landwirtschaft oder in Werkstätten des Lagers selbst.


    Die Sterblichkeit war hoch. Sie resultierte einmal aus den schlechten Arbeits-, Unterbringungs- und Versorgungsverhältnissen, v. a. aber aus der völlig unzureichenden Hygiene. So starben bei einer Typhus-Epidemie im Winter 42/43 und bei einer Fleckfieber-Epidemie der zweiten Jahreshälfte 44 ein großer Teil der Kranken, zumal dem SS-Sanitätspersonal die Versorgung jüdischer Häftlinge verboten war. Viele Todesfälle gab es neben Erschießungen (u. a. in der im Lager eingerichteten Genickschussanlage) und Vergasen auch durch Misshandlungen. Die Vergasungen (mit Zyklon B) fanden in Stutthof spätestens ab Juni 44 statt in einer im Frühjahr 44 errichteten Gaskammer, die auch zur Kleiderentlausung benutzt wurde, oder auch in zu diesem Zweck abgedichteten Eisenbahnwaggons einer ins Lager führenden Kleinbahn. Kranke Häftlinge wurden im Revier (Krankenhaus) durch Gift- oder Benzininjektionen getötet.


    Im Januar 45 wurden erste Marschkolonnen zur Evakuierung von Stutthof in Bewegung gesetzt. Viele der erschöpften Häftlinge wurden wegen Marschunfähigkeit von den Bewachern erschossen. Die im Lager gebliebenen Gefangenen wurden im April 45 per Schiff evakuiert, ein Teil nach Flensburg, der größere in die Neustädter Bucht. Die Kapitäne der hier ankernden und mit Häftlingen anderer KZ beladenen Schiffe "Cap Arcona", "Thielbek" u. a. weigerten sich jedoch, weitere Personen aufzunehmen. Vielen Häftlingen gelang es, an den Strand zu kommen, wo aber etwa 400 von der SS erschossen wurden. Das Hauptlager Stutthof wurde am 1. 5. 45 von sowjetischen Truppen besetzt, die noch etwa 120 Häftlinge befreiten, die sich hatten verstecken können.

    Kommandanten von Stutthof waren Max Pauly (1946 im ersten Neuengamme-Prozess zum Tod verurteilt und hingerichtet) und Paul-Werner Hoppe.