Sudetenkrise

    Aus Lexikon Drittes Reich

    seit 1919 schwelender, 1937/38 akut ausbrechender Konflikt um die deutsch besiedelten Gebiete der Tschechoslowakei (ca. 26 000 km² mit 3,3 Millionen deutschen Einwohnern). Nach schärfer werdenden Autonomieforderungen der Sudetendeutschen Partei und Wendung ihres Führers Henlein zum Nationalsozialismus im November 37 erhoben sich erste Stimmen für einen Anschluss an das Deutsche Reich. Hitler ermunterte Henlein zu unannehmbaren Forderungen an die Prager Regierung, wie sie etwa im so genannten Karlsbader Programm vom 24. 4. 38 formuliert wurden: Weitestgehende Selbstverwaltung bei "Freiheit des Bekenntnisses ... zur deutschen Weltanschauung", d. h. zum großdeutschen Programm des Nationalsozialismus. Die tschechische Ablehnung beantwortete die deutsche Propaganda mit halbwahren Meldungen über Ausschreitungen gegen die deutsche Minderheit. Zugleich unterstützte Berlin Revisionsforderungen der polnischen und ungarischen Volksgruppen in der Tschechoslowakei. Westliche Vermittlungsbemühungen wie die von Lord Runciman blieben erfolglos. Hitler, ohnehin entschlossen, die Tschechoslowakei zu "zerschlagen" (Weisungen für den "Fall Grün" vom 21. 4. und 30. 5. 38), heizte die Stimmung mit militärischen Beistandsangeboten (Rede vom 12. 9.) zu Aufstandshitze an. In zwei persönlichen Besuchen bei Hitler in Berchtesgaden (15. 9.) und Godesberg (22.-24. 9.) erreichte der britische Premierminister Chamberlain nur die Verschiebung der von Hitler nun ultimativ geforderten Angliederung des Sudetengebiets. Ein europäischer Krieg konnte in letzter Minute durch vollständige Erfüllung der deutschen Forderungen durch die Westmächte im Münchener Abkommen vermieden werden.