Türkei

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Republik in Vorderasien mit 772 340 km² und rund 13,6 Millionen Einwohnern (1927). Die Türkei erlebte nach der Revision des Friedensdiktats von Sèvres (10. 8. 20) im Türkisch-Griechischen Krieg 1919-22 und im Frieden von Lausanne (24. 7. 23: Vertreibung der Griechen aus Kleinasien, Rückgewinnung Ostthrakiens), nach Abschaffung des Sultanats (1. 11. 22) und der Proklamation der Republik (29. 10. 23) unter ihrem Gründungspräsidenten Atatürk (1923-38) und seinem Nachfolger Inönü (1938-50) einen beispiellosen Prozess der Europäisierung, Modernisierung, Säkularisierung und der beginnenden Industrialisierung im Innern und des raschen Aufstiegs zur stärksten Macht im Vorderen Orient und zugleich zu einem geachteten und umworbenen Mitglied im Konzert der europäischen Nationen nach außen. Die Absicherung der türkischen Neutralität und Unabhängigkeit in der Zwischenkriegszeit und dann zwischen den Krieg führenden Lagern im Zweiten Weltkrieg gelang durch einen relativ raschen Abbau der traditionellen Spannungen mit Griechenland (30. 10. 30 Freundschafts- und Neutralitätsvertrag), eine Anlehnung an die Westmächte, besonders an Großbritannien, und ein nach allen Seiten kunstvoll geknüpftes Netz von Verträgen: 16. 3. 21 Freundschaftsvertrag mit der Sowjetunion, 18. 7. 32 Aufnahme in den Völkerbund, 9. 2. 34 Balkanpakt mit Jugoslawien, Griechenland und Rumänien, 20. 7. 36 internationale Konvention von Montreux mit dem Recht zur Wiederbefestigung der Meerengen, 8. 7. 37 Ostpakt mit dem Iran, Irak und Afghanistan, 19. 10. 39 Bündnispakt mit Großbritannien und Frankreich, 16. 6. 41 Freundschaftsvertrag mit Deutschland "unter Vorbehalt der bestehenden Verpflichtungen". Erst unter starkem Druck Londons (30./31. 1. 43 Treffen Churchill-Inönü) kehrte sich die Türkei vom Deutschen Reich ab (Botschafter Papen) als Folge der sich wandelnden Kriegslage: 1. 5. 44 Einstellung der wehrwirtschaftlich wichtigen Chromlieferungen, 2. 8. 44 Abbruch der diplomatischen Beziehungen, schließlich 1. 3. 45 Kriegserklärung an Deutschland, um noch als Gründungsmitglied der Vereinten Nationen an der Konferenz in San Francisco teilnehmen zu können.