Theodor Innitzer

    Aus Lexikon Drittes Reich

    österreichischer katholischer Theologe

    geboren: 25. Dezember 1875 Neugeschrei-Weipert (Böhmen) gestorben: 9. Oktober 1955 Wien


    Fabrikarbeiter, 1902 Priesterweihe, 1911 Professor und 1928/29 Rektor an der Universität Wien, 1929/30 Sozialminister, 19. 9. 32 Erzbischof von Wien, 13. 3. 33 Kardinal. Der Sudetendeutsche Innitzer war nach dem Ersten Weltkrieg Befürworter eines Anschlusses Österreichs an Deutschland und unterstützte später die autoritären Regierungen Dollfuß und Schuschnigg, was ihn in die Nähe des Austrofaschismus rückte. Nach 1932 hatte er mit dem österreichischen Episkopat vor dem Nationalsozialismus gewarnt und hatte 1937 entschieden Partei ergriffen für die im Kirchenkampf bedrängten deutschen Katholiken. Dennoch begrüßte Innitzer 1938 den Anschluss, machte am 15. 3. 38 Besuch bei Hitler und rief am 21. 3. 38 zum "Ja" als "selbstverständliche nationale Pflicht" bei der Volksabstimmung am 10. 4. auf. Die Illusion, sich die neuen Herren durch dieses Entgegenkommen geneigter zu machen, verflog nach kirchenfeindlicher Maßnahmen Bürckels und Attacken Rosenbergs. Als sich Innitzer zur Wehr setzte, kam es zur Plünderung des erzbischöflichen Palais durch HJ-Gruppen. Innitzer zog sich politisch zurück, verstärkte die seelsorgerische und karitativen Maßnahmen, auch für verfolgte Juden, und bewahrte die Einheit der österreichischen Kirche bis in den Krieg hinein, der zur Dämpfung der nationalsozialistischen Verfolgung führte. Nach 45 vielfach auch von kirchlicher Seite wegen der anfänglichen Kollaboration angegriffen, erlebte Innitzer mit der Ernennung zum päpstlichen Legaten im Dezember 52 eine Art Rehabilitierung.