Thierack, Otto

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Jurist

    geboren: 19. April 1889 Wurzen (Sachsen) gestorben: 22. November 1946 Lager Eselheide (Sennelager) bei Paderborn


    Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Marburg und Leipzig, Kriegsfreiwilliger, 1921 Staatsanwalt in Leipzig, 1926 am OLG Dresden, 1933 kommissarischer sächsischer Justizminister, ab 1932 NSDAP-Mitglied. 1935 wurde Thierack Vizepräsident des Reichsgerichts in Leipzig und 1936 Präsident des Volksgerichtshofs in Berlin. Im August 42 ernannte ihn Hitler zum Reichsjustizminister. Dieses Amt bekleidete Thierack bis 1945, zugleich leitete er das Reichsrechtsamt der Reichsleitung der NSDAP und war Präsident der Akademie für Deutsches Recht. Thierack galt als treuer Gefolgsmann Hitlers. Als Präsident des Volksgerichtshofs war er zwar nicht so brutal wie sein Nachfolger Freisler. Aber schon unter seiner Führung orientierte man das Strafmaß an der Höchststrafe und baute systematisch Verfahrensgarantien ab. Thierack war bemüht, "das Kriegsstrafrecht zu einer allen Anforderungen genügenden Waffe umzuschmieden". Als Reichsjustizminister setzte er die Versuche des nationalsozialistischen Regimes kompromisslos fort, die Justiz unmittelbar zu steuern und zu einem Macht- und Terrorinstrument umzufunktionieren. So intensivierte er die schon unter Schlegelberger betriebene so genannte Vor- und Nachschau von Urteilen durch die Dienstvorgesetzten der Richter, führte so genannte Richterbriefe ein, betrieb v. a. eine gezielte Personalpolitik zugunsten junger "erprobter Nationalsozialisten" und änderte gerichtliche Zuständigkeiten (Übertragung auf Sondergerichte und nationalsozialistische zuverlässige Verwaltungsstellen, besonders Gestapo und SS). Den deutschen Richter erklärte Thierack zum "mittelbaren Gehilfen in der Staatsführung". Thierack beging Selbstmord, ehe er vor Gericht gestellt werden konnte.