Thingspiel

    Aus Lexikon Drittes Reich

    besondere Form des nationalsozialistischen Freilichttheaters, konzipiert als Alternative zum Guckkastentheater. Die Architektur der "Thingstätten" und die zur Aufführung kommenden neuartigen Spiele sollten die Trennung zwischen Schauspielern und Zuschauern aufheben und die "Volksgemeinschaft" zur Darstellung bringen. Das Vorbild, das v. a. Johst propagierte, war das "kultische" Theater der Griechen, Vorläufer waren Vertreter einer "völkischen Weltbühne", auch das Gemeinschaftsspiel der Laienspielbewegung. Die Freilichttheater, die von 1933 an vom RAD gebaut wurden, erhielten die Bezeichnung "Thingstätten", weil man sie in ihrer Anlage mit germanischen Kultstätten verglich. Am 5. 6. 34 wurde die erste in den Brandbergen bei Halle eingeweiht, im selben Jahr eine weitere auf dem Heiligen Berg bei Heidelberg fertig gestellt. 1935 waren zehn Thingstätten spielbereit. Das Thingspiel in seiner idealen Gestalt war chorisches Spiel (Chorische Dichtung), weil durch den Einsatz der Chöre die "Volksgemeinschaft" besonders gut zelebriert werden konnte. Die zur Darstellung gebrachte Handlung war weniger dramatischer Vorgang als vielmehr Ritual, das gesprochene Wort weniger Dialog als bekenntnishafte Proklamation. Insofern war das Thingspiel ein weiterer Typ der nationalsozialistischen Feiern; Thingspiel und Thingstätten wurden häufig als "Kultspiel" und "Kultstätten" bezeichnet. Gerade der "kultische" Charakter ließ jedoch das Interesse des Publikums bald erlahmen. Das chorische Spiel ist handlungsarm; es fehlte an guten und zugkräftigen Stücken. Goebbels, der die Thingspielbewegung über einen "Reichsbund" förderte, verbot 1935 zudem die Verwendung der Begriffe "Kult" und "Thing"; die Thingstätten durften nur noch als "Freilichtbühnen" bezeichnet werden. Zwar wurde 1936 im Rahmen der Olympischen Spiele noch die Dietrich-Eckart-Bühne (heute Waldbühne) in Berlin mit E. W. Möllers "Frankenburger Würfelspiel" eröffnet, aber 1937 stellte Goebbels die Förderung der Thingspielbewegung ein.