Treblinka

    Aus Lexikon Drittes Reich

    eines der Vernichtungslager der Aktion Reinhard im Rahmen der "Endlösung der Judenfrage". Mit dem Bau von Treblinka (nördlich von Warschau) wurde Ende Mai/Anfang Juni 42 unter Leitung der SS-Zentralbauabteilung des SS- und Polizeiführers Warschau begonnen. Als Arbeitskräfte verwendete man neben Polen Juden, die z. T. Häftlinge der benachbarten Arbeitslager waren. Nach Fertigstellung bestand das Lager aus drei Teilen: Wohnlager (SS-Unterkünfte, Dienstleistungsgebäude, Unterkunftsbaracken für polnische, ukrainische Arbeiter und jüdische Häftlinge, Ställe, Zoo usw.), Auffanglager für die ankommenden Juden (u. a. Bahnrampe, Vorplatz, Baracke für die den Juden abgenommenen Gegenstände, Entkleidungsbaracken, Selektionsplatz, "Lazarett") und so genanntes oberes oder "Totenlager" (Gaskammern, Gruben, Unterkunft des jüdischen Sonderkommandos und später Leichenverbrennungsstätte). Das Lagerpersonal setzte sich aus etwa 40 Deutschen und ungefähr 120 ukrainischen Hilfswilligen zusammen. Letztere versahen überwiegend Wachdienst, wurden aber auch bei der Vernichtung der Juden eingesetzt. Erster Kommandant war der SS-Obersturmführer Eberl, der einige Wochen nach seinem Dienstantritt wegen "Unfähigkeit" abgelöst wurde. Ihm folgte der spätere SS-Hauptsturmführer Stangl. Im August 43 übernahm schließlich K. H. Franz die Leitung von Treblinka.


    Im Juli 42 war das Lager "betriebsbereit". Ab dem 23. 7. 42 trafen laufend Transporte mit Juden ein, insbesondere aus Warschau und dem Distrikt Warschau, dem "Einzugsgebiet" von Treblinka. Der Vernichtungsvorgang lief ähnlich wie in Belzec und Sobibór: Nach der Ankunft wurden die Juden im Auffanglager auf dem so genannten Vorplatz getrennt nach Männern, Frauen und Kindern. Man kündigte ihnen den Weitertransport in Arbeitslager an, vor dem sie baden, Bekleidung und Gepäck zum Desinfizieren abgeben und Gold, Geld, Devisen, Schmuck aus Sicherheitsgründen an der Kasse hinterlegen müssten. Frauen und Kinder brachte man dann in eine Baracke, wo sie sich zum "Duschen" ausziehen mussten. Die Männer warteten vor der Baracke, bis die Frauen und Kinder von deutschen und ukrainischen Angehörigen des Lagerpersonals mit Stöcken, Peitschen oder Gewehrkolben durch den "Schlauch" (auch "Himmelfahrtsstrasse" oder "Weg ohne Rückkehr" genannt), eine schmale Gasse vom Auffanglager zum "Todeslager", in die Gaskammern getrieben worden waren. Nach der Vergasung der Frauen und Kinder und der Räumung der Gaskammern wurden die Männer, die sich inzwischen entkleidet hatten, in das "Todeslager" geprügelt, wo sie vergast oder an den dort befindlichen, für die Aufnahme der Leichen bestimmten Gruben erschossen wurden. Kranke und gebrechliche Juden brachte man in das mit rotem Kreuz gekennzeichnete "Lazarett", das von einem hohen Stacheldrahtzaun mit eingeflochtenem Reisig zur Verhinderung der Einsicht umgeben war. Im Innern befand sich eine große Grube, in der fast ständig ein Feuer brannte. Die Kranken wurden erschossen und in die Grube geworfen.

    Von Zeit zu Zeit sonderte die SS arbeitsfähige Männer und seltener Frauen für lagerinterne Arbeitskommandos aus ("Hofjuden" als Handwerker für die Werkstätten der SS, "Goldjuden" als Ordner und Packer für Wertgegenstände und Devisen, Sortierkommandos zum Sortieren und Stapeln der abgelegten Kleidungsstücke, "Dentisten" zum Herausbrechen der Goldzähne aus den Leichen usw.). Unter ständiger Misshandlung mussten sie ihre Arbeit verrichten. Als Schrecken des Lagers galten insbesondere der letzte Kommandant Franz und dessen Hund "Barry", der auf Befehl die Häftlinge anfiel und schwer verletzte. Auffallen in irgendeiner Weise zog Strafe nach sich, "normalerweise" die Todesstrafe. Im Übrigen fanden ständig Selektionen statt; die Ausgesonderten wurden meist im "Lazarett" erschossen.


    Die Vergasungen mittels Auspuffgasen von Kfz-Motoren fanden zunächst in drei kleinen Gaskammern statt; im September 42 wurde die Aufnahmekapazität durch den Bau größerer Kammern erheblich erweitert. Für die Leichen der getöteten Juden waren mindestens drei riesige Gruben ausgehoben worden. Als die Auflösung von Treblinka bevorstand, begann die Enterdungsaktion: Im "Totenlager" wurden zwei Verbrennungsanlagen aus Eisenbahnschienen errichtet, auf denen die exhumierten und die neu anfallenden Leichen verbrannt wurden. Ein Aufstand der Häftlinge am 2. 8. 43 beschleunigte die Auflösung. Die Gebäude wurden abgerissen, die gesamte Lagerfläche eingeebnet und mit Lupinen besät. Aus den Ziegeln der Gaskammern wurde ein Bauernhof errichtet, der von Angehörigen der ukrainischen Wachmannschaft bewirtschaftet werden sollte. Die letzten (höchstens) 30 Arbeitsjuden wurden am 17. 11. 43 erschossen und auf provisorischen Verbrennungsrosten verbrannt. Ende November 43 war das Lager aufgelöst, das Personal wurde nach Triest abkommandiert.

    In Treblinka sind mindestens 700#000 Juden getötet worden.