Trivialliteratur

    Aus Lexikon Drittes Reich

    in Massenauflagen verbreitete, inhaltlich und formal schablonenhafte Formen der Dichtung, die in der Weimarer Republik v. a. in Heftchenform sehr weite Verbreitung gefunden hatten und von bürgerlichen Kritikern und Pädagogen als "Schmutz und Schund" bekämpft wurden. Im Dritten Reich zunächst ebenfalls abgelehnt, wurden bestimmte Formen der Trivialliteratur bald von den Propagandisten als nützlich entdeckt und gerechtfertigt: So galt Abenteuerliteratur als "Vorstufe des Heldischen, ... wenn das gefahrvolle Leben im Dienste einer Idee, einer Aufgabe, einer Gemeinschaft... gelebt wird" (Eduard Rothemund). Goebbels widmete nach Kriegsbeginn "Wochen des deutschen Buches" der Förderung von Unterhaltungsliteratur, da das deutsche Volk "vom Ernst des Krieges so überrannt" würde, dass man "in der Kunst für Entspannung sorgen" müsste (Film). Bücher, die idyllische, im Gegensatz zum Alltag stehende heile Welten beschrieben, wie die humoristische Romane von H. Spoerl ("Feuerzangenbowle", 1933) oder K. Kluge ("Der Herr Kortüm", 1938), wurden von nationalsozialistischen Kritikern und Publikum gleichermaßen als "gute" Unterhaltungsliteratur gefeiert. Bis in die 40er Jahre produzierten die großen Groschenheftverlage (Martin Kelter, Hamburg; Arthur Moewig, Dresden) allwöchentlich Millionen von Heimat-, Liebes- und sonstigen gefühlsbetonten Heftchen. Das obligatorische Happy-End aber wurde nun oft als Lohn für soldatische Heldentaten oder vorbildliches "deutsches" Verhalten dargestellt; Opferbereitschaft und Verzicht zugunsten der Gemeinschaft wurden thematisiert: "Wir müssen vieles auf den Opfertisch der Heimat legen" (R. Utsch: "Heimkehr", 1940). Neben den trivialen Heftchen wurden gleichermaßen erfolgreich die Fortsetzungsromane in den großen illustrierten Zeitschriften zur Propagierung der nationalsozialistischen Weltanschauung eingesetzt.

    Da die im Dritten Reich entstandene völkische Dichtung vielfältig triviale Züge trug (Literatur), verliefen die Grenzen zwischen Trivialliteratur und "Hochliteratur" ohnehin fließend. Darüber hinaus verwendeten die Nationalsozialisten Medien und ästhetische Muster der Trivialliteratur für eine neue völkische Trivialliteratur: Heftserien mit Titeln wie "Aus Deutschlands Werden", "Kleine Kriegshefte" und "Junges Volk" sollten weniger politische Heimat- und Abenteuerreihen ersetzen. Als Mittel erzählerischer Propaganda entstanden sogar spezifische Formen "amtlicher Trivialliteratur": Broschüren mit realistischen oder Phantasiefiguren (z. B. Kohlenklau), die u. a. zeigen sollten, dass Liebesglück vom ordnungsgemäßen Luftschutz abhänge. Eine ähnliche offizielle Trivialliteratur entstand auch innerhalb und für nationalsozialistische Organisationen, z. B. die im Auftrag der DAF herausgegebene Broschüre: "Hau Ruck! Der Westwall steht! Unser Schachtmeister schreibt. Ein launiges Buch von den Männern mit Schippe und Hacke".