Ungarn

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Staat in Südosteuropa mit 93 073 km² und rund 8,7 Millionen Einwohnern (1930). Nach republikanischen Anfängen (16. 11. 18) und kommunistischer Räterepublik unter Béla Kun (22. 3.-1. 8. 19) etablierte Horthy als "Reichsverweser" ein Königreich Ungarn bei Thronvakanz.

    Drei Themen bestimmten nach dem Frieden von Trianon (4. 6. 20) Ungarns Politik:

    Revision des Friedensvertrags (2. 11. 38: 1. Wiener Schiedsspruch, 14. 3. 39: Besetzung der Karpato-Ukraine, 30. 8. 40: 2. Wiener Schiedsspruch, April 41: Wiedereingliederung jugoslawischer Gebiete),Restauration der Habsburger Monarchie (1921 vergebliche Versuche einer Rückkehr Kaiser Karls),schwere soziale Spannungen (dominierender feudaler Großgrundbesitz, Landhunger der Kleinbauern, Aufstieg eines rechtsradikalen, antisemitischen "neuen Mittelstands"). Während die liberalkonservative Gruppierung um den Grafen Bethlen (Ministerpräsident 4. 4. 22-19. 8. 31) für außenpolitische Selbständigkeit, einen maßvollen Revisionismus und innere Konsolidierung eintrat, suchten die Exponenten des mittelständischen Antisemitismus und eines radikalen Irredentismus gegen die Kleine Entente um Gömbös (Ministerpräsident 30. 9. 32-6. 10. 36) ideologisch und außenpolitisch sowie aus Gründen einer immer stärkeren Abhängigkeit vom deutschen Markt enge Anlehnung an Faschismus und Nationalsozialismus; Entstehung einer von Berlin unterstützten nationalsozialistischen Pfeilkreuzler-Partei unter Szálasi.

    Im Zweiten Weltkrieg strebte Horthy außenpolitisch eine Zusammenarbeit mit Berlin an (24. 2. 39 Beitritt zum Antikominternpakt, 20. 11. 40 zum Dreimächtepakt, 27. 6. 41 Kriegserklärung an Moskau und London), innenpolitisch mühte er sich um eine gemäßigte Linie und um den Schutz der jüdischen Bürger (6 % der Bevölkerung) vor deutschem Zugriff. Nach der Kriegswende besetzten am 19. 3. 44 deutsche Truppen Ungarn als Antwort auf Horthys fehlgeschlagenen Versuch eines Waffenstillstands mit Moskau. Der "Reichsverweser" wurde schließlich am 16. 10. 44 verhaftet und nach Deutschland verbracht; der völlig isolierte Szálasi vollstreckte nun als "Staatsführer" die deutsche Politik, zu der auch die Deportation der ungarischen Juden gehörte. Die Sowjets etablierten inzwischen auf besetztem ungarischen Territorium eine provisorische Regierung unter General von Dálnok und schlossen am 20. 1. 45 mit Ungarn Waffenstillstand, dem hinter der Fassade einer nominell aus verschiedenen Parteien bestehenden "Nationalen Unabhängigkeitsfront" der Aufbau eines von Moskau abhängigen kommunistischen Regimes durch Rákosi folgte.