Universität

    Aus Lexikon Drittes Reich

    wissenschaftliche Hochschulen mit umfassendem Bildungs- und Forschungsauftrag. Die deutschen Universitäten waren bis in die 20er Jahre weltweit vorbildliche Bildungseinrichtungen v. a. durch ihr Selbstverwaltungsmodell und durch den hohen wissenschaftlichen Rang vieler akademischen Lehrer. Zugleich aber waren sie seit Jahrzehnten schon Hort des Nationalismus und somit anfällig für die nationalsozialistischen Visionen eines nationalen Aufbruchs in Richtung auf ein Großdeutschland, wie es eine große Gruppe von Universitätslehrern 1915 in einer Eingabe über die deutschen Kriegsziele an den Kaiser gefordert hatte. Die Studentenschaft fühlte sich zudem angezogen von der scheinbar sozialrevolutionären Programmatik und von der Volksgemeinschaftsideologie der NSDAP; Völkische und Jugendbewegung hatten dafür den Boden bereitet.

    Nachdem schon vor der Machtergreifung (30. 1. 33) der Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund an zahlreichen Universitäten die Mehrheit in den Studentenvertretungen errungen hatte, war die Gleichschaltung der Universitäten danach kaum mit großen Widerständen verbunden. Sie bestand zunächst in der "Reinigung" der Universitäten durch den Arierparagraphen, dem schon im ersten Jahr rund 1 200 Universitätslehrer zum Opfer fielen, darunter hochkarätige Wissenschaftler, und durch Eliminierung politisch unerwünschter Dozenten. Das führte zu deutlicher Minderung des wissenschaftlichen Niveaus, zumal die nachrückenden jungen Professoren oft außer politischer Linientreue wenig Qualifikation vorzuweisen hatten. Mit dem "Gesetz gegen die Überfüllung der Deutschen Schulen und Hochschulen" vom April 33 wurde auch ein Instrument zur Sortierung der Studierenden geschaffen, das u. a. zur Reduktion der Zahl der Studentinnen (siehe Frau im Dritten Reich) angewandt wurde und dem im Dezember 33 ein auf zehn Prozent bemessener Numerus clausus für Frauen folgte (1936 nach drastischem Absinken der Studentinnenquoten wieder aufgehoben).

    Das wies schon wie die vornehmlich von den Universitäten inszenierte Bücherverbrennung hin auf die bevorstehende auch inhaltliche Ausrichtung von Forschung und Lehre im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung. Mit Einführung des Führerprinzips an den Universitäten 1935, nach dem der nach politischen Gesichtspunkten ausgewählte Rektor die Dekane ernannte, diese die Institutsleiter bestimmten usw., schuf der Staat direkte Eingriffsmöglichkeiten in den Lehrbetrieb. Zu starke Abweichungen von der gewünschten Linie führten zur Suspendierung des Dozenten insbesondere in den geisteswissenschaftlichen Fächern; aber auch die Naturwissenschaften waren betroffen (u. a. Deutsche Physik). Der Nationalsozialistische Deutsche Dozentenbund durchsetzte die Universitätsgremien mit seinen Funktionären, sorgte mit zahlreichen "freiwilligen" Schulungsangeboten für Indoktrination und mit Drohungen zur Verinnerlichung der gewünschten ideologischen Zensur. Sie sollte den Normen der nationalsozialistischen Erziehung auch im universitären Bereich Geltung verschaffen.