Untermensch

    Aus Lexikon Drittes Reich

    schon Ende des 18. Jahrhunderts aufgekommener Begriff für Wesen, denen voller Menschenstatus nicht zuzubilligen sei. Untermensch tauchte in den 20er Jahren erneut auf in der völkisch-rassistischen Propaganda als Komplementärbildung zum Begriff Übermensch im Sinne Nietzsches. Die nationalsozialistische Agitation übernahm das Etikett für die angeblich rassisch und moralisch minderwertigen Juden, setzte es v. a. in der Kampfzeit ein, nutzte die Untermenschaffekte aber auch später bei der Einstimmung auf die Judenverfolgung (u. a. Himmler-Rede vom 12. 11. 35) und zur Abwertung der Polen und Russen als "slawische Untermenschen". So bestimmte die Presseanweisung vom 24. 10. 39: "Es muss auch der letzten Kuhmagd in Deutschland klargemacht werden, daß das Polentum gleichwertig ist mit Untermenschentum." 1942 publizierte das SS-Hauptamt unter Berger eine Broschüre "Der Untermensch"; der Bericht über die Niederschlagung des Warschauer Getto-Aufstands notierte u. a. die Vernichtung von zahlreichen "Juden, Banditen und Untermenschen". Hinter der Herabstufung der Gegner zu Nichtmenschen stand die Absicht, bei Soldaten und SS-Leuten die (Tötungs-)Hemmungen abzubauen. Ähnlich war die Gräuelpropaganda im Ersten Weltkrieg verfahren, arbeitete der sowjetische Propagandist Ehrenburg bei der Diffamierung der Deutschen als "faschistische Tiere", und ähnlich werden die meisten Vernichtungsfeldzüge bis heute (Vietnam, Golfkrieg u. a.) motiviert.